Solaraktien: Deutschland oder China?
13.12.2010 | Rainer Hahn
RTE - EMFIS.COM - Für die Solarbranche ist 2010 eigentlich hervorragend verlaufen. Die Umsätze lagen auf rekordverdächtigem Niveau; viele Hersteller erzielten beim Absatz Steigerungsraten im zwei- bis dreistelligen Prozentbereich. Die Finanzkrise, die den Sektor 2008 und 2009 fest im Griff hatte, ist auch in der Solarwirtschaft vergessen. Gerade für Großanlagen fanden sich auch in Ländern wie den USA wieder zuhauf Investoren.
Ein Teil des Nachfrageschubs war auch den Förderkürzungen in Deutschland und Spanien zu verdanken. Dort wurden vor den jeweiligen Stichtagen schnell noch jede Menge Anlagen hochgezogen, um in den Genuss der alten Fördersätze zu kommen. Diese Vorzieheffekte fallen im kommenden Jahr weg.
Im Gegenzug dürfte vor allem die Nachfrage aus China und den USA 2011 stark anziehen. Dies sollte die Förderkürzungen in verschiedenen Ländern der EU mehr als ausgleichen. Der Branchendienst IMS Research etwa geht davon aus, dass 2011 Module mit einer Gesamtleistung von 19 Gigawatt verkauft werden - gegenüber der bereits sehr hohen Kapazität von 16 Gigawatt im laufenden Jahr wäre dies ein Anstieg um weitere 18,8 Prozent.
Kursmassaker bei deutschen Solarwerten
Viele Aktien aus dem Solarsektor konnten von diesen erfreulichen Entwicklungen allerdings nicht profitieren. Gerade unter den deutschen Solarwerten fand in den vergangenen Monaten erneut ein regelrechtes Massaker statt. Die Hoffnung der Anleger, dass der globale Aufschwung der Solarwirtschaft auch den Solaraktien wieder Schwung verleiht, hat sich in den meisten Fällen nicht erfüllt.
Symptomatisch dafür ist die Kursentwicklung bei Solarworld (WKN: 510840). Dabei kamen die Anleger, die beim deutschen Branchenprimus investiert waren, eigentlich noch recht gut davon. Der Wert gab in den vergangenen sechs Monaten "nur" 20 Prozent ab.
Deutlich schlechter sah die Bilanz dagegen bei der Aktie des Berliner Herstellers Solon (WKN: 747119) aus. Trotz hoher Wachstumsraten beim Umsatz blieb das Unternehmen weiter in der Verlustzone. Die Börse quittierte dies im vergangenen Halbjahr mit einem Minus von 44 Prozent.
Noch deutlich schlechter sieht die Halbjahresbilanz bei der Aktie von Q-Cells (WKN: 555866) aus, die in diesem Zeitraum um 49 Prozent abtauchte.
Und auch die Aktie des Solar-Zulieferers Roth & Rau (WKN: A0JCZ5), eines ehemaligen Highflyers der Branche, konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Der Wert rutschte seit Anfang Juni um 45 Prozent nach unten.
Und die Chinesen?
In völligem Gegensatz dazu erzielten die chinesischen Solartitel in den vergangenen sechs Monaten erhebliche Kursgewinne. Dies lässt sich unter anderem an der Entwicklung des Solactive China Solar Index ablesen, in dem neun der wichtigsten chinesischen Solaraktien enthalten sind. Der Index schaffte gegen den Branchentrend ein Plus von 19 Prozent. Etliche Einzelwerte aus dem Sektor zogen im gleichen Zeitraum sogar um 50 Prozent und mehr an.
Es wird deutlich: Von der Erholung des Sektors konnten fast ausschließlich die chinesischen Solarwerte profitieren. Der entscheidende Vorteil dieser Unternehmen liegt in ihren deutlich niedrigeren Produktionskosten. Die chinesischen Hersteller spielten diesen Vorteil auch 2010 erbarmungslos aus, und brachten damit die Margen ihrer Wettbewerber erheblich unter Druck.
Für chinesische Solaraktien spricht außerdem, dass Peking den dort ansässigen Unternehmen erhebliche staatliche Unterstützung zuteil werden lässt; in Form von billigen Darlehen, Grundstücken und anderen Subventionen. Der Solarsektor ist aus Sicht der chinesischen Wirtschaftslenker eine Schlüsselindustrie, in der sie unbedingt eine weltführende Stellung einnehmen will. Daneben wird das Reich der Mitte auch den Bau von Solarkraftwerken im Inland immer stärker fördern. Es ist davon auszugehen, dass die heimischen Hersteller sich den Löwenanteil dieser Aufträge sichern werden.
Die Solarenergie hat Zukunft, aber nicht alle Unternehmen aus der Branche werden davon profitieren können. Sowohl die fundamentalen Gegebenheiten als auch die Charts deuten darauf hin, dass der Sektor künftig größtenteils von den chinesischen Herstellern beherrscht wird.