Industriemetalle: Wendepunkt im Lagerzyklus
16.03.2010 | Sven Streitmayer (LBBW)
Metallpreise verharren auf hohem Niveau
Die Basismetalle konnten ihr hohes Preisniveau zuletzt weiter behaupten. Abzulesen ist dies etwa am LMEX Index, welcher die Preisentwicklung der sechs in London gehandelten NE-Metalle widerspiegelt und der aktuell nur etwa 3% unterhalb des Anfang Januar markierten 17-Monatshochs (3.572 Punkte) notiert. Auch Kupfer (7.410 USD/t), Aluminium (2.230 USD/t) und Nickel (21.700 USD/t) lagen per Wochenschluss nur unweit von ihren jeweiligen Jahreshöchstständen. Gänzlich unbeeindruckt zeigten sich die Metallmärkte indes von der vergleichsweise raschen Normalisierung der chilenischen Kupferförderung nach dem schweren Erdbeben vor zwei Wochen. Überraschend wenig Einfluss übten auch die jüngsten Konjunkturdaten Chinas aus, welche durchweg stärker als erwartet ausgefallen waren und zusammen mit dem kräftigen Anstieg der Inflationsrate (2,7%) zu erneuten Spekulationen über anstehende Zinserhöhungen in der Volksrepublik geführt haben.
Fundamentals: Wendepunkt im Lagerzyklus
Aus fundamentaler Perspektive verdient derzeit v.a. die Lagersituation der Metalle erhöhte Aufmerksamkeit. So haben die an der LME registrierten Bestände seit einigen Wochen wieder vermehrt Abflüsse zu verzeichnen, was zusammen mit dem merklichen Anstieg der zur Auslieferung vorgemerkten Bestände (cancelled warrants) auf einen Wendepunkt im Lagerzyklus hindeuten könnte. Besonders ausgeprägt ist dies bei den Aluminiumbeständen, welche zuletzt an 18 Handelstagen in Folge gefallen sind. Aber auch die Lager von Kupfer und Nickel präsentierten sich in den letzten zwei Wochen mit einem Rückgang von jeweils rund 3% im Trend klar rückläufig. In der Summe sind die Lagerbestände der LME seit ihrem Höhepunkt Mitte Februar um rund 90.000 t bzw. knapp 2% auf 5,9 Mio. t zurückgegangen (vgl. Charts S. 11). Dies stellt gleichwohl noch immer einen enormen Angebotspuffer dar, dessen "Abarbeitung" sich u.E. noch weit in das nächste Jahr hinein ziehen wird.
China: Kupferimporte erneut mit Überraschung
Die vorläufigen Importzahlen Chinas für den Monat Februar warteten abermals mit einer faustdicken Überraschung auf. So verzeichneten die Einfuhren von Kupfer und Kupferhalbzeug in das Reich der Mitte - entgegen aller Erwartungen - einen Anstieg von rund 10% ggü. Januar auf über 320.000 t. Ein Großteil des Zuwachses dürfte auf die Substitution von Kupfer Schrott zurückzuführen sein, dessen Importvolumen aufgrund mangelnder Verfügbarkeit und hoher Preise um 17% niedriger ausfiel.



© Sven Streitmayer
Commodity Analyst
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
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