Industriemetalle: PBOC schickt Märkte auf Talfahrt
26.01.2010 | Sven Streitmayer (LBBW)
China sorgt für Verunsicherung an LME und Co.
Eine etwas härtere Gangart der chinesischen Zentralbank hat in der vergangenen Handelswoche die Investoren an den internationalen Kapitalmärkten aufgeschreckt und mit ihnen die hochgradig chinalastigen Metallbörsen auf Talfahrt geschickt. Im Vorfeld hatte die People´s Bank of China (PBOC) die Mindestreserve für Geschäftsbanken nach oben gesetzt und einzelne Banken zu einer Drosselung der Kreditvergabe angehalten, was an den Märkten für Gerüchte über eine baldige Leitzinserhöhung im Reich der Mitte gesorgt hatte. Zusätzliche Nahrung erhielten die Spekulationen auf eine restriktivere Geldpolitik durch die starken Konjunkturdaten Pekings am Donnerstag (BIP-Wachstum Q4: +10,7%, siehe Beitrag auf S. 8), welche das Thema Inflationsund Überhitzungsgefahr zurück in den Fokus der Marktakteure gebracht haben.
Basismetalle korrigieren deutlich
Neben den Schlagzeilen aus der Volksrepublik sahen sich die Metallmärkte in London, New York und Shanghai zu allem Ungemach mit einem wieder erstarkten US-Dollar, schwächelnden Aktien und sinkenden Ölnotierungen konfrontiert, was den Abgabedruck noch verstärkte und die Wochenbilanz tiefrot färbte. Der Basismetallindex LMEX beendete den Handel mit einem Minus von rund 3%. Dies war zugleich der höchste Wochenverlust seit Oktober 2009. Unter den einzelnen Metallen (LME cash) gehörten Blei (-9%), Zink (-5%) und Aluminium (-4%) zu den größten Verlierern. Kupfer verzeichnete einen Abschlag von 2% auf ein Vierwochentief (7.240 USD/t).
Chinesische Metallimporte weiterhin hoch
Dass die Nervosität der Metallmarktteilnehmer in Bezug auf den wirtschaftspolitischen Kurs Chinas durchaus ihre Berechtigung hat, konnten die Handelsdaten für den Monat Dezember und das Gesamtjahr 2009 einmal mehr eindrucksvoll bestätigen. Überraschend verzeichneten die chinesischen Metallimporte (außer Aluminium und Nickel) im letzten Monat des Jahres erneut mehr (Kupfer) oder weniger (Zink) deutliche Zuwächse. Insgesamt weisen die Einfuhrzahlen 2009 für alle Metalle neue Rekordwerte aus und unterstreichen damit abermals die Vormachtsstellung Chinas an den internationalen Metallmärkten.
Einen weiteren Beleg hierfür lieferte der jüngste Bericht der International Copper Study Group für den Zeitraum Januar bis Oktober 2009, wonach die Weltnachfrage nach Kupfer im vergangenen Jahr nur um rund 1% rückläufig war. Ausschlaggebend hierfür war einzig und allein die explosive Nachfragesteigerung Chinas (+43%), welche den scharfen Rückgang im Rest der Welt (-18%) fast vollständig kompensierte. Besonders deutlich fiel der Nachfrageeinbruch dagegen in Japan (-31%), den USA (-21%) und der EU (-21%) aus. Per saldo wies der globale Kupfermarkt ein Angebotsüberschuss von 78.000 t aus, ggü. einem Defizit von 58.000 t im Vorjahr.
Übersicht: Lagerbestände Energie & Metalle


© Sven Streitmayer
Commodity Analyst
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
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