Aluminium - Gefährlicher Preisanstieg!
17.08.2009 | Gabor Vogel (DZ Bank)
Durch die fundamentale Brille betrachtet, bleibt Aluminium das schwächste Basismetall. Zwar zeigt die Aluminiumnachfrage - genährt von sich verbessernden Automobil-Zulassungszahlen - erste Stabilisierungstendenzen, jedoch bleiben die steigende chinesische Produktion und die weiterhin extrem hohen Lagebestände fundamentale Belastungsfaktoren. 
Aluminiumpreise oberhalb von 2.000 USD/Tonne schreien förmlich nach einer fundamentalen Korrektur, da sich die Aluminium-Stimmungslage signifikant vom fundamentalen Datenkranz entfernt hat. Die zuletzt veröffentlichten Automobilverkaufszahlen in China, Europa und den USA senden erste positive Signale, jedoch gehen wir noch nicht von einer nachhaltigen Trendwende der Aluminiumnachfrage innerhalb des Automobilsektors aus.
Als größte Gefahr für den Aluminiumpreis identifizieren wir die Handelsaktivität Chinas. Einerseits ist der LME-Aluminiumpreis nicht mehr allzu günstig für die chinesischen “Lagerbestands-Aufstocker“ und andererseits gibt es in China signifikante Überkapazitäten. Vor dem Hintergrund des Aluminium-Angebotsüberschuss in China gibt es faktisch keinen Importbedarf. 
Wir gehen nicht davon aus, dass das aktuelle Niveau der chinesischen Netto-Importe gehalten werden kann. Im Gegenteil rechnen wir sogar wieder mit einer steigenden Exporttätigkeit, was den Aluminiumpreis mittelfristig unter Druck bringen dürfte.
Unserer Meinung nach, lässt sich der rasante Aluminiumpreisanstieg nur dadurch erklären, dass viele Aluproduzenten mit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Bestände reduziert haben und nun allmählich damit beginnen, ihre extrem niedrigen Bestände wieder aufzustocken.
Überwiegend ist das überschüssige Aluminium im LME-Lagersystem gebunden. Da einige Marktteilnehmer ihre LME-Bestände beliehen haben, sitzen diese in den Lagerhäusern fest und können nicht in den Aluminium-Kreislauf gepumpt werden. Dadurch kann es zu kurzfristigen Marktverzerrungen kommen, welche die Volatilität sprunghaft erhöhen könnten.
© Gabor Vogel, MBA
Senior-Rohstoffanalyst, DZ BANK AG