Stehen die Märkte vor einer deutlicheren Aufwärtsbewegung?
17.02.2009 | Jens Rabe
Von Seiten der Rohstoff Indizes gibt es weiterhin nichts Neues zu berichten, die Märkte laufen immer noch mehr oder weniger seitwärts. Es bilden sich zwar keine neuen Tiefs mehr was die Bullen freuen dürfte, aber es gibt auch keinerlei Anzeichen dafür, dass die Märkte vor einer deutlicheren Aufwärtsbewegung stehen sollten. Für Trendfolger sind diese Marktumstände natürlich wenig erfreulich, da es dass ständige Auf und Ab aktuell schwierig macht zu agieren. Die Rohstoff Indizes bewegen sich analog den Aktienmärkten in Dreiecksformationen. In welche Richtung es hier allerdings einen Ausbruch geben könnte ist für uns schwer zu prognostizieren, da die einzelnen Rohstoffe unterschiedliche Signale liefern.
Sehr stark präsentieren sich derzeit die Edelmetalle, welche seit November stetig ansteigen konnten, wie das Beispiel von Silber zeigt:
Vergrößert man allerdings den Preischart ein wenig wird deutlich wie gering dieser Anstieg im Vergleich zum vorherigen Absturz ist:
Im Silber fehlen immer noch fast 60% bis zum alten Hoch, bei Gold sind es “nur“ noch 12%, bei Palladium dagegen noch 180%(!) und beim Platin immerhin auch noch 120%. 
Im Gold bauen die Commercials von Woche zu Woche ihre Shortposition weiter aus. Hier ist zwar historisch betrachtet immer noch Luft nach oben, wir bleiben momentan dennoch bei unserer Meinung, dass der Markt zwar bullisch ist, aber ein Überwinden der alten Hochs in den kommenden Wochen vorerst nicht gelingen wird (Basis US Futures in USD).
Sojamehl
Im Sojamehl fiel uns in dieser Woche eine Situation in der Terminmarktkurve auf, hier befinden sich die Preise mittlerweile in einer Backwardation. Dies bedeutet, dass die nahen Futures preislich über den entfernteren Kontrakten notieren. Dies ist unter normalen Marktumständen u.a. ein Zeichen für eine sehr starke Nachfrage.
Saisonal wird ein Anstieg der Sojamehlpreise bis in den Sommer hinein unterstützt. 
Die Commercials besitzen aktuell eine Nettoshortposition welche allerdings historisch betrachtet noch nicht als extrem bezeichnet werden kann. Interessant ist in der Nachbetrachtung die Positionierung im Dezember, als an einem Doppelboden eine nahezu neutrale Positionierung der Commercials zu verzeichnen war.
Das Open Interest ist in den letzten Wochen leicht angestiegen, nachdem es zuvor sehr deutlich eingebrochen war (ohne Chart).
So eindeutig wie die oben genannten fundamentalen Daten beim Sojamehl sind, so uneindeutig fällt die Betrachtung des Chartbildes selbst aus. Wie schon erwähnt hat sich im Dezember ein doppelter Boden gebildet und nachdem ein Ausbruch auf der Unterseite fehlschlug, konnten die Preise kräftig ansteigen. Negativ dagegen ist, dass sich in vielen Indikatoren mittlerweile bearische Divergenzen gebildet haben. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass bei einem Bruch der Marke von 295,00 eine erneute Umkehrformation zu verzeichnen wäre. Die 292-295er Zone ist als sehr stark einzuschätzen, da in diesem Bereich mehrere horizontale Unterstützungslinien verlaufen.
Es ist daher nicht auszuschließen, dass die anfangs erwähnte Backwardation lediglich Ausdruck größerer Shorteindeckungen ist und sich der Aufwärtstrend schon wieder seinem Ende nähert. Ein Bruch der 292-295er Zone dürfte dann schnell weitere Kursverluste mit sich bringen, ein Abprallen an diesem wichtigen Unterstützungsbereich den begonnen Aufwärtstrend dagegen fortsetzen.
Reis - Beobachtungsliste
Die letzte Woche besprochene Situation im Reis ist weiter beständig. Am 09./10.02 ist der Preis an dem aus dem Dezember bestehendem Widerstand erst einmal nach unten abgeprallt. Allerdings besteht immer noch die Chance auf eine Umkehrformation, sollte dieses Hoch gebrochen werden.
Crude Oil & Benzin
Saisonal interessant präsentieren sich in den kommenden Wochen die Märkte für Crude Oil und Benzin. Während beim Benzin ein saisonales Tief im Dezember üblich ist, bildet sich ein solches im Crude Oil zwischen Dezember und Februar heraus.

Im Crude Oil reduzieren die Commercials zuletzt in seitwärts laufende Preise ihre Nettoshortposition recht deutlich auf aktuell nur noch 17k Kontrakte. Diesem positiven Aspekt konträr ist allerdings die Positionierung der Kleinanleger (weniger als 350 Kontrakte), welche aktuell eine Longposition aufweisen. Hier scheint sich deutlich der auch an den Aktienmärkten spürbare Optimismus (siehe P/C-Ratios, etc.) der Kleinanleger zu manifestieren.
Im Benzin halten die Commercials eine Shortposition, welche allerdings gegenüber dem historischem Extremniveau vom März 2008 mittlerweile wieder auf ein “Normalmass“ reduziert wurde.
Im Wochenchart erkennt man, dass Benzin gerade an einer Widerstandszone angelangt ist. Hier dürfte sich in den kommenden Tagen einiges für die nahe Zukunft entscheiden!
Im Tageschart wird deutlich, dass Benzin seit ca. 6 Wochen seitwärts läuft und im Bereich 1,14-1,18 eine gewisse Stabilität besitzt. 
Crude Oil versucht sich zwar auch an einem Boden, dieser sieht aber wesentlich schwacher aus, da zuletzt schon wieder fallende Hochs zu verzeichnen waren.
Der Spread zwischen Benzin und Crude Oil (Crack Spread) zeigt dies ebenfalls sehr deutlich an.
Wer also auf eine Bodenbildung beim Crude Oil setzen will, der ist vielleicht besser beraten dies mit dem “Vehikel“ Benzin zu tun, da bei einer Erholung des Energie-Sektors dieses das größere Potential verspricht.
© Jens Rabe
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