CRB Index mit intaktem Abwärtstrend auf Wochenbasis
21.01.2009 | Jens Rabe
In der abgelaufenen Woche konnten beide Rohstoff Indizes ihre Anstiegsbewegung der Vorwoche nicht fortsetzen, sondern mussten erneut Federn lassen. Der CRB Index ist an dem Widerstand bei 377 Punkten abgeprallt und befindet sich weiterhin in einem intakten Abwärtstrend auf Wochenbasis. 
Im daily Chart erkennt man nach wie vor die 123-Umkehrformation, welche auf eine Bodenbildung hindeutet. Im Bereich 383-388 Punkten liegen jetzt die Widerstände, welche es zu überwinden gilt. Gelingt dies, dürften die Tiefs erst einmal für einige Wochen/Monate Bestand haben.
Im energielastigeren GSCI Index befindet sich der weekly Chart immer noch in einem intakten Abwärtstrend und im daily Chart ist ebenfalls noch keine Umkehrformation erkennbar. Erst mit dem Überwinden der Marke von 385 Punkten dürfte mit einer Entspannung und dem Beginn einer Bodenbildungsphase gerechnet werden. 
Crude Oil
Ob dies allerdings gelingt erscheint uns mit Blick auf die Energiefutures fraglich. Unser Kollege Henning Beck hat kürzlich eine sehr interessante Überlegung hinsichtlich der Probleme der Indexfonds durch die große Spanne zwischen dem jeweiligen Frontmonat und dem darauffolgendem Monat im Crude Oil (Super Contango) auf seiner Seite veröffentlicht:
www.beck-tradingproject.de/wp/2009/01/15/super-contango-in-crude-oil-das-
ende-fr-indexfunds/
Wir finden diese Überlegung sehr interessant, denn auch am heutigen Montag (Feiertag in den USA und daher sind nur einige elektronischen Börsen geöffnet) verliert der aktuelle Frontmonat Februar (20.01.2009 letzter Handelstag) wieder mehr als der darauffolgende Monat März, welcher allerdings auch nur noch knapp über 40 USD/barrel notiert.
Da der Crude Oil Futures keinerlei Anzeichen einer Bodenbildung erkennen lässt, erwarten wir, dass auch der März Futures sehr bald die 40 USD Marke nach unten brechen wird. Dies bringt dann erneut Druck auf die Rohstoff Indizes und entsprechend auch Druck auf alle anderen Rohstoffe. 
Copper - Kupfer (COMEX)
Eine interessante Entwicklung zeichnet sich derzeit beim Kupfer ab. Nachdem die Preise im Juli 2008 ein Hoch ausbildeten und danach annähernd 70% verloren, kann man auch hier von einer geplatzten Blase ausgehen. Das es sich beim Kupfer um eine geplatzte Blase handelte wird auch daran deutlich, dass die Preise im Vorfeld des Hochs in den Jahren 2002 - 2008 um über 570% angestiegen waren.
Studiert man den Verlauf der Preisentwicklung nach geplatzten Blasen, dann wird deutlich, dass es nach dem Platzen der Blase extrem unwahrscheinlich ist, dass die Preise in absehbarer Zeit wieder ihre alten Hochs erreichen. Ein eindrucksvolles Beispiel liefert hierfür der Preis von Gold, welcher nach dem Platzen der 70iger Jahre Blase immerhin 28 Jahre benötigte, um wieder die alten Hochs zu erreichen und diese letztendlich bis heute nicht überwunden konnte. Ein weiteres Beispiel liefert uns der japanische Aktienmarkt, welcher selbst 19 Jahre nach seinem Hoch immer noch fast 80% von seinem Allzeithoch entfernt ist.

Wir können also aufgrund der historischen Beispiele davon ausgehen, dass der Kupferpreis nicht heute oder morgen die alten Hochs wird wieder erreichen können. ABER, immer wieder kam es auch nach geplatzten Blasen zu Gegenbewegungen, welche über genügend Potential verfügten, als dass man diese als Händler missachten darf. Im Kupfer könnte sich in den kommenden Wochen eine solche Bewegung ergeben, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld von Tag zu Tag schlechter wird. Einen ersten Hinweis auf eine solche mögliche Entwicklung liefert die Positionierung der Commercials in diesem Markt. Im Zuge des Preiseinbruchs haben diese Ihre Nettopositionierung komplett gedreht und halten derzeit die größte Longposition aller Zeiten.
Kritiker können jetzt allerdings auf 2 Punkte verweisen, die eine solche Positionierung in einem anderen Licht erscheinen lassen. Im Jahr 2003 wiesen die Commercials die größte Nettoshortposition aller Zeiten auf und die Preise brachen in Folge dessen nicht etwa ein, sondern setzten ihre im Jahr 2001 begonnene Rallye sogar mit beschleunigtem Tempo fort.
Der nächste Kritikpunkt könnte der Vergleich der aktuellen Positionierung mit der vom Dezember 2007 sein. Die Commercials hielten damals 24.285 Kontrakte netto long und anschließend kam es auch zu einer deutlichen Rallye im Kupfer. Jedoch geschah diese Positionierung bei einem Preis von ca. 251 cents/pound. Aktuell halten die Commercials zwar 1.732 Kontrakte mehr als damals, allerdings notieren die Preise auch fast 40% tiefer. Das bedeutet, dass die Commercials zwar eine Rekordlongposition besitzen, diese aber nicht im selben Umfang angestiegen ist, wie die Preise eingebrochen sind. Die CoT Daten liefern daher einen ersten Indiz auf eine mögliche Trendwende, mehr aber auch nicht!
Die saisonalen Muster unterstützen in den kommenden Monaten einen Anstieg der Kupferpreise. 
Wir verzichten hier auf eine optische Darstellung des Sentiments, denn wie wird das wohl nach einem 70%igen Preiseinbruch aussehen?
Wenden wir uns daher den Preischarts zu. Im weekly Chart ist der Abwärtstrend vollkommen intakt, wie man im CoT Chart auf Seite 7 erkennen kann. Im daily Chart sieht man das zarte Pflänzchen einer möglichen Umkehrformation. Im Bereich um 163 befindet sich ein deutlicher Widerstandsbereich, den es erst zu überwinden gilt.
Gelänge dies, würden sich Preisziele im Bereich 175-196 ergeben.
Wer sich im Kupfer engagieren möchte, sollte sich aktuell auch unbedingt die Entwicklung des S&P 500 und der Nasdaq anschauen, da Kupfer derzeit sehr stark mit diesen Märkten korreliert. Der nachfolgende Chart zeigt die Entwicklung von Kupfer und die der Nasdaq. Die Korrelation beträgt aktuell 97% (Quelle MRCI). Kommen die Aktien in den kommenden Tagen infolge einer „Obama Euphorie“ wieder etwas auf die Beine, dann dürfte sich auch der Kupferpreis mit nach oben bewegen. Fallen dagegen die Aktien nach unten durch, dann dürfte es der Kupferpreis sehr schwer haben.
Bonds
In den US Bonds scheint sich eine riesige Blase aufzubauen, die sicherlich über kurz oder lang platzen wird. ABER, betrachtet man sich die langfristige Entwicklung der Bonds und die dazugehörige Positionierung der Commercials, dann gab es in den letzten Jahren keinen signifikanten Hochpunkt bei dem die Commercials im Vorfeld ihre jeweilige Longpositionierung nicht massiv reduziert oder sogar auf die Shortseite gedreht hatten. Wir erwarten daher zwar kurzfristig im Zuge einer möglichen Aufwärtsbewegung der Aktien etwas schwächere Preise, aber das endgültige Hoch der Blase haben wir aus Sicht der CoT Daten noch nicht gesehen. Wir werden diesen Markt sehr genau beobachten und versuchen eine mögliche Trendwende frühzeitig zu erkennen. Allerdings warten wir erst auf die Ausbildung des Hochs und werden nicht den Helden spielen und versuchen ein mögliches Hoch im Vorfeld zu verkaufen!
Eine erfolgreiche Börsenwoche wünscht Ihnen
© Jens Rabe
www.pit-trader.com