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AG Energiebilanzen legt Bericht für 2021 vor

28.03.2022 | 12:59 Uhr | AGEB
Deutlicher Zuwachs beim Energieverbrauch / Erneuerbare fallen etwas zurück

Berlin (28.03.2022) - Der Energieverbrauch in Deutschland erreichte 2021 eine Höhe von 12.265 Petajoule (PJ) beziehungsweise 418,5 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). Das entspricht einem Anstieg um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Energieverbrauch liegt jedoch noch spürbar niedriger als vor dem Ausbruch der Corona- Pandemie, was darauf hinweist, dass die energie- und gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland weiterhin in hohem Maße durch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen geprägt wird, schreibt die AG Energiebilanzen in ihrem jetzt erschienenen Jahresbericht.

Erheblichen Einfluss auf den Anstieg des Primärenergieverbrauchs hatten die gegenüber 2020 deutlich kühleren Außentemperaturen. Besonders in den Monaten Januar bis Mai sowie von Oktober bis Dezember und damit in den für die Heizperiode wichtigen Zeiträumen war es deutlich kühler als im Vorjahr. Bereinigt um den Witterungseffekt wäre der Energieverbrauch 2021 nur um 0,6 Prozent gestiegen, berechnete die AG Energiebilanzen.

Verbrauchssteigernd wirkte 2021 zudem die wirtschaftliche Erholung. Die gesamtwirtschaftliche Leistung erhöhte sich um 2,7 Prozent. Allerdings waren im letzten Quartal des Jahres kaum noch Impulse der wirtschaftlichen Entwicklung auf den Energieverbrauch zu beobachten, da Lieferengpässe, eine zurückgehende Baukonjunktur sowie ein Auslaufen der Nachholeffekte zu einer Abschwächung der wirtschaftlichen Erholung führte.

Nach Einschätzung der AG Energiebilanzen sorgte die Preisentwicklung auf den Energiemärkten im vergangenen Jahr für eine spürbare Verbrauchsminderung. Die Einfuhrpreise für Rohöl, Erdgas und Steinkohle stiegen im Jahresdurchschnitt um 67 bis 139 Prozent. Die Preise für CO₂- Emissionszertifikate haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt und erreichten zum Jahresende historische Höchststände. Die höheren Energie- und CO₂-Preise haben, so die AG Energiebilanzen, den wachstumsbedingten Anstieg des Primärenergieverbrauchs erkennbar gebremst.

Einen zusätzlichen Einfluss auf die Verbrauchsentwicklung bei den einzelnen Energieträgern hat der energie- und klimapolitische Kontext, heißt es im Bericht der AG Energiebilanzen. Auf nationaler Ebene sorgen der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022, der einsetzende Kohleausstieg sowie die fortgesetzte Förderung der erneuerbaren Energien für Veränderungen im Energiemix. Auf europäischer Ebene haben die Emissionsobergrenzen des europäischen Emissionshandlessystems (EU-ETS) sowie darüber hinaus die übergreifenden Klimaschutzziele Auswirkungen auf die Höhe und Zusammensetzung des Energieverbrauchs in Deutschland.


Energieproduktivität gesunken

Die gesamtwirtschaftliche Energieproduktivität hat sich 2021 nach Berechnungen der AG Energiebilanzen um 0,4 Prozent verschlechtert. Bereinigt um den Temperatur- und Lagerbestandseffekt ergab sich jedoch ein leichtes Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch liegt die Zunahme deutlich unter dem Jahresdurchschnittswert von 2,2 Prozent für den Zeitraum 1990 bis 2021. Die gesamtwirtschaftliche Energieproduktivität ist eine wichtige Kenngröße für den effizienten Umgang mit Energie und berechnet sich aus dem Energieaufwand je Einheit Wirtschaftsleistung.


Anstieg der energiebedingten CO₂-Emissionen

Die AG Energiebilanzen geht auf Grundlage vorläufiger Energiebilanzdaten davon aus, dass die energiebedingten CO₂-Emissionen im vergangenen Jahr in einer Größenordnung von 2,8 Prozent gestiegen sind. Das entspräche einer Steigerung um 17 bis 18 Millionen Tonnen (Mio. t). Der größte Teil des Anstiegs dürfte auf die Strom- und Wärmeerzeugung entfallen. Aber auch in den Verbrauchssektoren Verkehr sowie Industrie und Gewerbe kam es zu höheren Emissionen. Dagegen hat sich unter Zugrundelegung vorläufiger Zahlen der Energiebilanz der CO₂-Ausstoß der privaten Haushalte sowie des Bereichs Gewerbe-Handel-Dienstleistungen (GHD) vermindert. Bei dieser Berechnungsmethode wird allerdings der Absatz und nicht der durch Lager- und Vorratsveränderungen beeinflusste tatsächliche Verbrauch berücksichtigt. Unter Einbeziehung der Lager- und Vorratsveränderungen haben sich die energiebedingten CO₂-Emissionen in Deutschland 2021 um etwas mehr als 5 Prozent oder rund 31 Mio. t erhöht.


Deutlicher Anstieg des Kohleverbrauchs

Der Verbrauch von Mineralöl verminderte sich 2021 um insgesamt um 3,1 Prozent auf 3.961 PJ (135,1 Mio. t SKE). Der Anteil des Mineralöls am gesamten Primärenergieverbrauch sank auf 32,3 Prozent (Vorjahr 34,4 Prozent). Der Verbrauch von Ottokraftstoff stieg leicht um 0,4 Prozent, beim Dieselkraftstoff gab es dagegen einen Rückgang um 1,7 Prozent. Der Absatz von leichtem Heizöl verminderte sich um mehr als 30 Prozent, da viele Verbraucher infolge der Preisentwicklung ihre Lagerbestände abgebaut haben. Der Absatz von Flugkraftstoff stieg dagegen kräftig um fast 25 Prozent und die Lieferungen von Rohbenzin an die chemische Industrie erhöhten sich um 11,2 Prozent.

Der Erdgasverbrauch erhöhte sich 2021 um 4,9 Prozent auf 3.288 PJ (112,2 Mio. t SKE). Der Erdgasverbrauch war damit so hoch wie zuletzt in den Jahren 2005/2006. Die Nachfrage der Industrie legte vor allem im 2. und 3. Quartal im Zuge der konjunkturellen Erholung kräftig zu. Auch Gewerbe, Handel und der Dienstleistungsbereich erhöhten ihren Verbrauch. Bei den privaten Haushalten kam es aufgrund der kühlen Witterung in der ersten Jahreshälfte zu einem kräftigen Verbrauchszuwachs. Für die Fernwärmeerzeugung wurde ebenfalls mehr Erdgas eingesetzt. In den Kraft- und Heizwerken nahm der Einsatz dagegen aufgrund des Preisanstiegs im Verlaufe des 2. Halbjahres ab. Das Erdgas steigerte seinen Anteil am gesamten Primärenergieverbrauch leicht auf 26,8 Prozent.

Der Verbrauch an Steinkohle stieg 2021 um rund 16,5 Prozent und erreichte eine Höhe 1.044 PJ (35,6 Mio. t SKE). Der Einsatz von Steinkohle in Kraftwerken, der etwa die Hälfte des Gesamtverbrauchs ausmacht, erhöhte sich um knapp 24 Prozent. Die Eisen- und Stahlindustrie steigerte ihre Nachfrage um mehr als 12 Prozent. Der Einsatz von Steinkohle in den Kraftwerken wurde begünstigt durch den Preisanstieg bei den Wettbewerbsenergien sowie die witterungsbedingt geringere Stromeinspeisung aus Windenergieanlagen. Beim Absatz an die Stahlindustrie profitierte der Energieträger von den konjunkturellen Effekten. Der Anteil der Steinkohle am gesamten Primärenergieverbrauch erhöhte sich von 7,5 auf 8,5 Prozent.

Der Verbrauch von Braunkohle erhöhte sich um 17,7 Prozent auf 1.128 PJ (38,5 Mio. t SKE), lag damit jedoch um etwa 3 Prozent unter dem Vergleichswert von 2019 und folgte somit weiter dem längerfristigen Trend. Der Zuwachs im abgelaufenen Jahr ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die im Vorjahr witterungsbedingt hohe Einspeisung von Strom aus Windkraftanlagen 2021 deutlich niedriger ausfiel und eine andere Wettbewerbssituation auf dem Strommarkt vorliegt. Braunkohle hatte 2021 einen Anteil von 9,2 Prozent (Vorjahr: 8,1 Prozent) am gesamten Primärenergieverbrauch.

Bei der Kernenergie kam es im Berichtszeitraum zu einem Anstieg der Stromproduktion um 7,4 Prozent. Der Beitrag der Kernenergie zum Primärenergieverbrauch stieg auf 754 PJ (25,7 Mio. t SKE). Die Auslastung der Kernkraftwerke wurde in Deutschland durch eine höhere Stromnachfrage, die geringere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie durch die Entwicklung bei den Energie- und CO₂-Preisen begünstigt. Im Zuge des Kernenergieausstiegs wurden zum Jahresende 2021 die Kraftwerksblöcke Grohnde, Brokdorf sowie Grundremmingen C mit zusammen mehr als 4.000 Megawatt (MW) Strom- erzeugungsleistung stillgelegt. 2021 hatte die Kernenergie einen Anteil 6,1 Prozent (Vorjahr: 5,9 Prozent) am gesamten Energieverbrauch.

Die erneuerbaren Energien verminderten ihren Beitrag zum Primärenergieverbrauch 2021 um 1,2 Prozent auf 1.947 PJ (66,4 Mio. t SKE). Der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Primärenergieverbrauch erreichte 2021 einen Anteil von 15,9 (Vorjahr: 16,6) Prozent. Wesentliche Einflussfaktoren waren eine windschwache und zugleich kältere Witterung, die zu geringerer Windstromerzeugung und einem höheren Verbrauch biogener Brennstoffe für Wärmezwecke führte. Die Biomasse, deren Anteil an den erneuerbaren Energien bei über 50 Prozent liegt, verzeichnete einen Verbrauchszuwachs um 3 Prozent. Die Wasserkraftwerke legten um gut 4 Prozent zu. Bei den Windenergieanlagen an Land kam es dagegen zu einem Rückgang der Stromerzeugung um 15 Prozent und bei den Anlagen auf See um 11 Prozent. Die Stromerzeugung aus PV-Anlagen stieg um 1 Prozent.

2021 floss erneut mehr Strom ins Ausland als umgekehrt nach Deutschland hinein. In Summe blieb der Stromaustauschsaldo mit 19 Mrd. kWh nahezu unverändert. Hauptgründe für diese Entwicklung sind geringere Stromeinspeisungen aus erneuerbaren Energien sowie höhere CO₂-Preise.


Verschiebungen im Energiemix

Im Energiemix für das Jahr 2021 kam es zu leichten Verschiebungen. Wichtigster Energieträger blieb das Mineralöl mit einem Anteil von 32,3 (Vorjahr: 34,4) Prozent, gefolgt vom Erdgas mit 26,8 (Vorjahr: 26,4) Prozent. Auf die Steinkohle entfiel ein Anteil von 8,5 (Vorjahr 7,5) Prozent und auf die Braunkohle 9,2 (Vorjahr: 8,1) Prozent. Der Beitrag der Kernenergie lag bei 6,1 (Vorjahr: 5,9) Prozent. Die erneuerbaren Energien büßten etwas ein und verringerten ihren Anteil am gesamten Energieverbrauch auf 15,9 (Vorjahr: 16,6) Prozent.


Inlandsgewinnung nahm leicht zu

Die inländische Energiegewinnung verzeichnete 2021 einen Zuwachs um 4,9 Prozent au 3.552 PJ (121,1 Mio. t SKE). Am stärksten stieg die Produktion von Braunkohle mit knapp 18 Prozent. Die inländische Erdgasförderung konnte leicht auf 164 PJ (5,6 Mio. t SKE) zulegen. Die den heimischen Energiequellen zugerechneten Erneuerbaren verzeichneten dagegen einen Rückgang um 4 Prozent auf 1.945 PJ (66,3 Mio. t SKE).

Insgesamt konnte die Energiegewinnung aus heimischen Ressourcen 29 Prozent des Gesamtverbrauchs decken. Im Vorjahr lag der Anteil bei 28,5 Prozent. Wichtigste heimische Energiequelle sind inzwischen die Erneuerbaren mit einem Anteil von 54,7 Prozent (Vorjahr 57,6 Prozent). Es folgt die Braunkohle mit 32,4 Prozent (Vorjahr 28,9 Prozent). Die anderen Energieträger erreichen Anteile im niedrigen einstelligen Bereich. Steinkohle wird seit Ende 2018 in Deutschland nicht mehr gefördert.


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