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Preisreaktion auf OPEC+-Abkommen spiegelt Zustand des Ölmarktes wider

21.07.2021 | 16:07 Uhr | Alerts, Macro, WisdomTree
Die allgemeine Risikoaversion an den Märkten zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der OPEC+1-Vereinbarung hat die direkten Auswirkungen der Entscheidung der Organisation auf die Ölpreise wohl etwas überschattet. Klar ist jedoch, dass die Vereinbarung das Risiko einer zusätzlichen Verknappung eliminiert hat, die möglicherweise aufgetreten wäre, wenn das No-Deal-Szenario noch viel länger angedauert hätte.

Die OPEC+ haben sich darauf geeinigt, die Ölfördermenge von August bis Dezember jeden Monat um 0,4 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) zu erhöhen, insgesamt 2 mb/d bis Ende des Jahres. Die verbleibenden Produktionskürzungen von rund 3,8 mb/d werden bis September 2022 schrittweise wieder in Betrieb genommen. Dieser Schritt wurde bereits erwartet und von den Märkten eingepreist, bevor die letzte Sitzung Anfang Juli in einer Pattsituation endete.

Noch wichtiger ist, und das mag nicht überraschen, dass den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), dem Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Russland eine höhere "Basis" zugestanden wurde, von der aus sie ihre pandemiebedingten Kürzungen der Fördermenge berechnen können. Mit anderen Worten: Diese Länder erhalten höhere Förderquoten, um sie für ihre Investitionen in den Ausbau ihrer Kapazitäten zu kompensieren. Mit dieser Einigung sind die Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe vorerst beigelegt, und es besteht die Aussicht, dass aufgrund der erhöhten Fördermengen letztlich zusätzliche 1,6 Millionen Barrel Öl in den Markt fließen werden.

Der OPEC+-Deal offenbart drei wichtige Aspekte über den Charakter der Ölmärkte. Erstens, es herrscht (wahrscheinlich) gerade genug Harmonie in der Organisation, um zu verhindern, dass sich tiefe Gräben auftun und die Länder ihre Fördervereinbarungen aufkündigen - ein Risiko, das sich nach der Pattsituation offenbart hat. Zweitens erwarten die Märkte nicht, dass die Nachfrage stärker wächst als das Angebot, andernfalls wäre es zu einer deutlich positiveren Reaktion auf die Entscheidung gekommen. Und drittens signalisieren die Kurven von Backwardated-Öl-Futures, die auf kurzfristige Engpässe beim Fördervolumen hinweisen, vermutlich auch zukünftig keine Engpässe zu erwarten sind.

Der oben genannte dritte Punkt legt nahe, dass die Märkte unsere Ansicht teilen, dass die OPEC+ die Trümpfe in der Hand hält, um die Ölpreise zu kontrollieren, und dass sie über ausreichende Kapazitätsreserven verfügt, um jedes zusätzliche Nachfragewachstum zu befriedigen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wird für das Jahr 2021 ein globales Wachstum der Ölnachfrage von 5,4 Millionen Barrel pro Tag und für 2022 von weiteren 3 Millionen Barrel pro Tag erwartet, womit die Gesamtnachfrage wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht.

Ein Teil dieses für 2021 erwarteten Wachstums hat bereits in der ersten Hälfte des Jahres stattgefunden. Auf der Angebotsseite dürfte die Produktion in den USA in diesem Jahr um 1,6 mb/d steigen, und die OPEC+ beabsichtigt, bis September nächsten Jahres mindestens 5,8 mb/d hinzuzufügen. Zusätzliche 1,6 mb/d aus dem jüngsten Abkommen und weitere 1,4 mb/d könnten einen unerwarteten Nachfrageschub auffangen - ein relativ unwahrscheinliches Ergebnis, da die Welt von den Covid-Nachbeben gezeichnet ist.

Unser Grundannahme ist daher, dass die Ölpreise von hier an wahrscheinlich mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen haben werden. Die OPEC+ hat zusätzliche Macht erlangt, um den Markt im Gleichgewicht zu halten und im Gegenzug die Preise zu kontrollieren. Unser Grundannahme ist daher, dass die Ölpreise von hier an wahrscheinlich mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen haben werden. Die OPEC+ hat zusätzliche Macht erlangt, um den Markt im Gleichgewicht zu halten und im Gegenzug die Preise zu kontrollieren.

Und da Länder wie die VAE nicht mehr für zusätzliche Investitionen in die Ölförderung bestraft werden, wird ein Präzedenzfall geschaffen, der den Produzenten einen Anreiz bietet, das Angebot in Zukunft weiter zu erhöhen. Angesichts der Fundamentaldaten von Nachfrage und Angebot ist es unwahrscheinlich, dass ein Aufwärtsszenario für den Ölpreis durch eine breitere Rallye bei den Risikoanlagen oder eine Verknappung der Fördermenge ausgelöst wird. Dies muss von einer erheblichen überraschenden Aufwärtsentwicklung des Nachfragewachstums kommen.


© Mobeen Tahir, Associate Director, Research
WisdomTree Europe Ltd



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