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Energieverbrauch in Deutschland: Daten für das 1. - 4. Quartal 2020

05.01.2021 | 12:12 Uhr | AGEB
Der Energieverbrauch in Deutschland ist 2020 um 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück gegangen und erreichte mit 11.691 Petajoule (PJ) oder 398,8 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) einen historischen Tiefststand. Im Vergleich zu 2006, dem Jahr mit dem bisher höchsten Energieverbrauch in Deutschland seit der Wiedervereinigung, beträgt der Rückgang rund 21 Prozent, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Infolge des rückläufigen Verbrauchs sowie weiteren Verschiebungen im Energiemix zu gunsten der Erneuerbaren und des Erdgases rechnet die AG Energiebilanzen mit einem Rückgang der energiebedingten CO2-Emissionen in einer Größenordnung von rund 80 Mio.t. Das entspricht einer Minderung gegenüber dem Vorjahr um rund 12 Prozent.

Für die deutlich rückläufige Verbrauchsentwicklung sind vorallem die gesamtwirtschaftlichen und sektoralen Auswirkungen der Corona-Pandemie verantwortlich. Hinzu kamen langfristige Trends, wie die Zunahme der Energieeffizienz, Substitutionen im Energiemix hin zu mehr erneuerbaren Energien sowie die vergleichsweise milde Witterung. Leichte verbrauchssteigernde Effekte gingen von den im Jahresverlauf spürbar gesunkenen Energiepreisen aus. Der verbrauchsdämpfende Effekt der milden Witterung wurde nach Einschätzung der AG Energiebilanzen durch einen Bestandsaufbau beim leichten Heizöl ausgeglichen.

Der Verbrauch von Mineralöl sank 2020 um 12,1 Prozent auf 3.965 Petajoule (PJ) oder 135,3 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). Während der Absatz von Otto- und Dieselkraftstoff leicht zurück ging, halbierte sich der Flugkraftstoffverbrauch. Beim leichten Heizöl kames zu Absatzsteigerungen in der Größenordnung von gut 5 Prozent, weil viele Verbraucher die niedrigen Preise nutzten, um ihre Vorräte aufzufüllen. Die Lieferungen von Rohbenzin an die Chemische Industrie nahmen um rund 3 Prozent zu.

Der Erdgasverbrauch verringerte sich 2020 um 3,4 Prozent auf 3.105 PJ oder 106,0 Mio. t SKE. Hauptursache für den Verbrauchsrückgang ist der gesunkene Erdgasbedarf der Sektoren Industrie sowie GHD infolge der Corona-Pandemie. In der Strom- und Wärmeerzeugung wurde hingegen mehr Erdgas eingesetzt. Bei den privaten Haushalten wird trotz vergleichsweise milderer Temperaturen ein leichtes Verbrauchsplus erwartet.

Der Verbrauch an Steinkohlelag 2020 um 18,3 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum und erreichte eine Höhe von 894 PJ oder 30,5 Mio. t SKE. Beim Einsatz von Steinkohle in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung betrug der Rückgang mehr als 26 Prozent. Diese Entwicklung ist vornehmlich auf den rückläufigen tromverbrauch, die höhere Stromeinspeisung aus Wind- und PV-Anlagen sowie den stärkeren Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung zurück zu führen. Der Einsatz von Steinkohle in der Stahlindustrie ging wegen der schwachen Stahlnachfrage gegenüber 2019 um rund 14 Prozent zurück.

Der Verbrauch von Braunkohle verminderte sich 2020 um 18,2 Prozent und lag bei 950 PJ oder 32,4 Mio. t SKE. Diese Entwicklung hat unterschiedliche Ursachen: Es wurden zusätzliche Kraftwerksblöcke in die Sicherheitsbereitschaft überführt und witterungsbedingt erhöhte sich die Stromeinspeisung von Wind- und PV-Anlagen. Hinzu kamen ungeplante Kraftwerksausfälle, Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Stromverbrauch sowie durch niedrige Erdgaspreise bedingteV erschiebungen der Wettbewerbssituation auf dem nationalen und europäischen Strommarkt. Während der Verbrauch an Braunkohle von Februar bis August deutlich unter den Vorjahresmonaten lag, war ab September eine spürbare Erholung zu verzeichnen.

Bei der Kernenergie kam es 2020 infolge der planmäßigen Abschaltung des Kraftwerks Philippsburg zum Jahresende 2019 zu einem Rückgang der Stromproduktion um 14,4 Prozent.

Die erneuerbaren Energien steigerten ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch 2020 um insgesamt 3 Prozent auf 1.962 PJ oder 66,9 Mio. t SKE. Die Wasserkraftwerke (ohne Pumpspeicher) lieferten 5 Prozent weniger Strom als im Vorjahr. Dagegen stieg der Beitrag der Windkraft um 7 Prozent. Die Solarenergie verzeichnete ein Plus von 9 Prozent. Biomasse und biogene Abfälle verharrten in etwa auf Vorjahresniveau.

Deutschlands negativer Stromaustauschsaldo mit den Nachbarstaaten fiel 2020 mit rund 21 Milliarden Kilowattstunden deutlich geringer aus als im Vorjahr. Nicht nur die Strommenge aus dem Ausland nach Deutschland nahm stark zu, auch die Stromflüsse aus Deutschland in die Nachbarstaaten gingen zurück.

Die Anteile der verschiedenen Energieträger am nationalen Energiemix haben sich 2020 gegenüber dem Vorjahr weiter verschoben: Bei den fossilen Energien kam es in Summe zu einem Rückgang, sodass die Energieversorgung in Deutschland ihre Kohlenstoffintensität weiter verringern konnte. Kennzeichnend bleibt aber ein breiter Energiemix. Gut 60 Prozent des inländischen Energieverbrauchs entfallen auf Öl und Gas. Stein- und Braunkohle deckten zusammen knapp 16 Prozent des Verbrauchs. Erneuerbaren steigerten ihren Beitrag auf fast 17 Prozent.

Die aktuelle Ausgabe des Quartalsberichts der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen ist jetzt abrufbar: "Energieverbrauch in Deutschland - Daten für das 1.-4. Quartal 2020"


© Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V.



Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen wurde 1971 in Essen von sieben Verbänden der deutschen Energiewirtschaft und drei auf dem Gebiet der energiewirtschaftlichen Forschung tätigen Instituten gegründet. 2004 erfolgte eine Umgründung in einen Verein. (www.ag-energiebilanzen.de).
 
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