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Libyen hält den Ölmarkt in Atem

23.08.2017 | 11:08 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Energie

Die Ölpreise wurden gestern stark durch die sich ständig wechselnde Nachrichtenlage aus Libyen getrieben. Die Meldungen über den Status des größten libyschen Ölfeldes Sharara änderten sich mehrmals. Am frühen Nachmittag hieß es, die Ölproduktion werde wieder aufgenommen und die „Force Majeure“-Klausel für Lieferungen aus dem Ölfeld sei aufgehoben. Die Ölpreise gerieten entsprechend unter Druck.

Am späteren Nachmittag wurde gemeldet, die Produktion sei wegen erneuter Proteste wieder unterbrochen, man würde aber daran arbeiten, die Probleme zu lösen. Über den gegenwärtigen Status von Sharara kann daher nur spekuliert werden. Der gestrige Nachrichtenfluss zeigte aber deutlich, dass die Situation in Libyen nach wie vor chaotisch ist und das Land von normalen Zuständen weit entfernt ist. Dies spricht allerdings auch gegen eine baldige Einbeziehung Libyens in das OPEC-Kürzungsabkommen.

Das API berichtete gestern Abend nach Handelsschluss einen stärker als erwarteten Rückgang der US-Rohöllagerbestände um 3,6 Mio. Barrel. Der abermalige Lagerabbau wurde durch weiterhin geringe Importe unterstützt, was mit den gekürzten OPEC-Lieferungen zusammenhängen kann. Allerdings kam es gleichzeitig zu einem Lageraufbau bei Ölprodukten. Offensichtlich verarbeiten die US-Raffinerien mehr Rohöl als benötigt.

Das US-Energieministerium veröffentlicht die offiziellen Lagerdaten heute Nachmittag. Niedrigere Importe würden für einen erneut kräftigen Lagerabbau sprechen. Der erwartete Rückgang der Rohölverarbeitung könnte einem stärkeren Lagerabbau allerdings entgegenstehen.


Edelmetalle

Ein festerer US-Dollar und steigende US-Anleiherenditen haben gestern Nachmittag den Goldpreis in Schach gehalten, so dass dieser nicht zulegen konnte und heute Morgen weiter bei rund 1.285 USD je Feinunze notiert. Gold in Euro gerechnet näherte sich aufgrund der Währungsentwicklung aber wieder der Marke von 1.100 EUR je Feinunze an. So langsam dürften sich die Marktteilnehmer auf die Zentralbankkonferenz in Jackson Hole in den USA konzentrieren, die morgen beginnt. Aber ob von dort neue Hinweise zur zukünftigen Geldpolitik der Fed oder der EZB kommen, ist fraglich.

Die EZB hatte schon im Vorfeld bekannt gegeben, dass sie die endgültige Entscheidung zur Zurückführung der Anleihekäufe (sog. Tapering) im Herbst treffen wird. Denkbar sind hier die Ankündigung dazu auf der Sitzung am 7. September und die Bekanntgabe von Details auf der Sitzung am 26. Oktober. Wir rechnen mit einer Reduzierung der derzeitigen Anleihekäufe von monatlich 60 Mrd. EUR auf dann 40 Mrd. EUR.

China hat im Juli gemäß Daten der Zollbehörde 373,5 Tonnen Silber importiert, 73% mehr als im Vorjahr. Die Silbereinfuhren in den ersten sieben Monaten des Jahres liegen mit 2.357 Tonnen 41% über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auch die Importe von Platin lagen im Juli deutlich über Vorjahr, was für eine anziehende Schmucknachfrage spricht. Dagegen sind die Einfuhren von Palladium merklich zurückgegangen. Die Preisstärke von Palladium in den letzten Monaten lässt sich damit immer schwerer erklären.



Industriemetalle

Nachdem an der SHFE in Shanghai Restriktionen im Futures-Handel bei Zink eingeführt wurden, scheint nun Blei in den Mittelpunkt des spekulativen Interesses zu geraten. Denn während an der SHFE alle anderen Industriemetalle unverändert sind bzw. fallen, legt Blei spürbar zu. An der LME in London sind die Preise heute Morgen stabil. Die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) berichtete am Montag sowohl für den globalen Zink- als auch für den Bleimarkt relativ hohe Angebotsdefizite.

Demnach blieb im ersten Halbjahr bei Zink das Angebot um 203 Tsd. Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Defizit aber nicht mehr weiter ausgeweitet. Es liegt auch weitgehend im Rahmen der Erwartungen der ILZSG für das Gesamtjahr. Bei Blei hat sich die Lage dagegen merklich angespannt. In den ersten sechs Monaten des Jahres gab es gemäß ILZSG-Daten ein Angebotsdefizit von 86 Tsd. Tonnen. Zur gleichen Zeit im Vorjahr wurde noch ein Überschuss von 28 Tsd. Tonnen registriert.

Das aktuelle Defizit kommt durch eine starke Nachfrage insbesondere in den USA und in China zustande, die gegenüber Vorjahr um fast 23% bzw. gut 13% zulegte. Sie hat damit auch deutlich die knapp 8%-ige Angebotsausweitung übertroffen. Die ILZSG hatte auf ihrer Frühjahrstagung Ende April für 2017 einen ausgeglichenen Bleimarkt unterstellt. Sollte sie mit ihrer Einschätzung Recht behalten, müsste das Angebot im zweiten Halbjahr noch stärker ausgeweitet werden und/oder die Nachfrage dürfte nicht mehr ganz so stark steigen.


Agrarrohstoffe

Die Schätzungen für die russische Weizenernte steigen immer weiter. Das Analysehaus IKAR hat seine Erwartungen nun bis auf 82 Mio. Tonnen heraufgesetzt und es wird bereits eine mögliche Überlastung der Infrastruktur diskutiert. Dagegen zeigt die deutsche Ernte enttäuschende Ergebnisse. Inzwischen ist klar, dass die Getreideernte nicht einmal durchschnittlich ist. Die wechselhafte Witterung mit einer Vielzahl von Wetterextremen hatte den Beständen zugesetzt und die Ernte erschwert.

Die Winterweizenernte schätzt der Deutsche Bauernverband DBV auf 23,4 Mio. Tonnen (-3% ggü. Vorjahr) und berichtet zudem von Qualitätsproblemen in Folge der Nässe während der Erntezeit. Bei der guten weltweiten Versorgung mit Getreide bleiben diese kritischen Daten ohne merklichen Einfluss auf den Weizenpreis (siehe auch "Rohstoffe kompakt Agrar – Getreide, Ölsaaten, Baumwolle: Wer gibt den Ton an?" vom 23. August).

Bei Raps soll der Ernterückgang sogar 6% betragen und sich die Erntemenge auf 4,3 Mio. Tonnen belaufen. Im mehrjährigen Vergleich schneidet die Rapsernte noch schlechter ab: Sie liegt 18% unter dem 5-Jahresdurchschnitt. Dass der Rapspreis in Paris gestern leicht zulegte, dürfte auch an positiven Vorgaben vom US-Sojabohnenpreis gelegen haben.

Die US-Regierung wirft Argentinien und Indonesien vor, mit unfairen Handelspraktiken für den Importboom bei Biodiesel verantwortlich zu sein und will nun im Vorgriff auf die endgültige Entscheidung über Strafzölle bereits jetzt von Importeuren Geld einziehen.


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