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Kurzzeitiger Absturz des Goldpreises

27.06.2017 | 10:44 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Energie

Brentöl geriet gestern Nachmittag zwar kurzzeitig unter Druck, schaffte es aber schnell wieder über 46 USD je Barrel zu klettern und notiert damit am Morgen immerhin 4% höher als im Tief am letzten Mittwoch. Die "Robustheit" erklärt sich wohl auch damit, dass bereits viele spekulative Anleger die Seite gewechselt haben. Wir hatten gestern schon den hohen Abbau der Netto-Long-Positionen bei WTI an der NYMEX erwähnt.

Und wie erwartet haben in der vergangenen Woche die kurzfristigen Finanzanleger auch bei Brent an der ICE ihre Netto-Long-Positionen stark zurückgefahren: Die Netto-Long-Positionen wurden um weitere 50 Tsd. Kontrakte abgebaut. Sie sind damit nicht mal mehr halb so hoch wie im Rekordhoch Mitte Februar bzw. so niedrig wie zuletzt vor anderthalb Jahren. Maßgeblich hierfür sind die auf ein neues Rekordhoch gestiegenen Short-Positionen. Sie haben sich seit Jahresbeginn mehr als vervierfacht.

Ist die Bereinigung damit durch? Das Rekordhoch der Short-Positionen und der dadurch implizierte "Rekordpessimismus" am Markt mögen das nahelegen, aber die seit Jahren im Trend steigende Anzahl der ausstehenden Kontrakte relativiert den Rekord. Denn entsprechend ist auch die Anzahl der Netto-Long-Positionen noch deutlich höher als in den historischen Tiefs. Wie immer sind deshalb die kommenden Nachrichten entscheidend dafür, ob die Talfahrt schon beendet ist.

Die heute nach Handelsschluss zur Veröffentlichung anstehenden US-Lagerdaten des API dürften jedoch kaum eine neue Richtung weisen, da sie wegen Wirbelsturm Cindy schwer zu interpretieren sind.


Edelmetalle

Der Goldpreis ist gestern Morgen um 10 Uhr (MESZ) innerhalb weniger Sekunden um 18 USD auf 1.236 USD je Feinunze abgestürzt. In Euro gerechnet sackte Gold um 11 EUR auf 1.109 EUR je Feinunze ab. Gold zog zugleich die anderen Edelmetalle mit nach unten. Mit Ausnahme von Palladium konnten sie bis zum Handelsende auch nur einen Teil ihrer Verluste wieder aufholen. Der Absturz fiel zwar zeitlich mit der Veröffentlichung deutscher Konjunkturdaten zusammen - der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni auf ein Rekordhoch gestiegen.

Inhaltlich sehen wir hier aber keinen Zusammenhang, da der ifo-Index in der Vergangenheit kaum Einfluss auf den Goldpreis hatte. Möglicherweise hat eine unbeabsichtigt große Verkaufsorder bei ansonsten dünnen Umsätzen den heftigen Preisrückgang ausgelöst, da im New Yorker Futures-Markt innerhalb einer Minute über 1,8 Mio. Unzen (56 Tonnen) Gold umgesetzt wurden. Die verhaltenen chinesischen Goldimporte aus Hongkong, die eine halbe Stunde später veröffentlicht wurden, können unseres Erachtens jedenfalls hierfür nicht herangezogen werden.

Gemäß Daten der Hongkonger Statistikbehörde hat China im Mai aus der ehemaligen britischen Kronkolonie auf Netto-Basis "nur" 45 Tonnen Gold importiert. Dies war fast 40% weniger als im Vormonat und gut 60% weniger als im allerdings außergewöhnlich hohen Vorjahresmonat. Nach den ersten fünf Monaten des Jahres liegen die Goldimporte mit 310 Tonnen nun wieder unter dem vergleichbaren Niveau des Vorjahreszeitraums.



Industriemetalle

Schwächere Konjunkturdaten aus den USA - die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter lagen im Mai unter den Erwartungen - belasteten gestern Nachmittag die Metallpreise, die daraufhin ihre Aufwärtsbewegung stoppten. Heute Morgen legen sie wieder moderat zu.

Ähnlich wie bei Nickel (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern) hat China im Mai auch noch viel Zinkerz bzw. -konzentrat importiert. Daten der Zollbehörde zufolge beliefen sich die Einfuhren hiervon auf 218 Tsd. Tonnen und waren damit fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Dies spricht für eine noch gute Verfügbarkeit von Zinkkonzentrat am Weltmarkt. Dies könnte sich allerdings ändern, denn es wurden bislang nicht alle vorherigen Produktionskürzungen wieder wettgemacht.

Zudem sieht sich die Branche einem strukturellen Problem gegenüber, da Ende 2015 einige große Zinkminen geschlossen wurden, nachdem ihre Vorkommen erschöpft waren. Es wurden aber nicht im gleichen Umfang neue Zinkminen erschlossen. Sollte sich das Angebot an Zinkkonzentrat spürbar verknappen, wird dies wohl auch Bremsspuren in der Produktion von Zinkraffinade hinterlassen.

Gemäß Daten des Nationalen Statistikbüros lag die Zinkproduktion in China im Mai bereits den zweiten Monat in Folge unter 500 Tsd. Tonnen. Anders als im April fielen die chinesischen Importe von Zinkraffinade im Mai aber deutlich geringer aus und lagen mit 33,3 Tsd. Tonnen zudem 15% unter dem Vorjahresniveau.


Agrarrohstoffe

Rohzucker schloss gestern zum ersten Mal seit Februar 2016 unter 13 US-Cents je Pfund. Seit Jahresbeginn hat er 34% an Wert verloren. Hintergrund sind die Prognosen eines Überschusses am globalen Zuckermarkt 2017/18. Ausschlaggebend für einen deutlichen Produktionsanstieg sollen vor allem Indien und die EU sein. Doch auch aus Brasilien, das 2016/17 eine Rekordmenge Zucker produzierte, ist bei solchen Prognosen eine weitere hohe, möglicherweise sogar noch höhere Produktion eingeplant.

Die Verarbeitungssaison 2017/18 war recht langsam angelaufen, hat inzwischen aber Fahrt aufgenommen. Für die erste Junihälfte wird die Zuckerindustrievereinigung Unica diese Woche Zahlen für die Hauptanbauregion Center-South vorlegen. In Umfragen wird eine im Vergleich zur Vorjahresperiode doppelt so hohe Zuckerproduktion vermutet. Auch sind die Ethanolpreise in Brasilien gefallen, was eine Verarbeitung des Rohrs zu Zucker weiterhin attraktiv macht.

Begleitet wurde der Sinkflug des Zuckerpreises durch eine Kehrtwende der Stimmung bei den kurzfristig orientierten Marktteilnehmern. Seit Mai halten sie Netto-Short-Positionen und haben diese in der letzten Berichtswoche auf den höchsten Stand seit 2 Jahren ausgebaut. Dies macht den Preis anfällig für starke Korrekturbewegungen, falls die Überschussprognosen nach unten korrigiert werden.

Wegen Hitze und Trockenheit senkt die Prognoseeinheit MARS der EU-Kommission die Ertragsprognose für Weichweizen leicht - u.a. in Deutschland und Spanien, nicht aber in Frankreich.


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