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Öl: Globale Produktionsausfälle und U.S. Pleite-Tsunami!

26.05.2016 | 10:49 Uhr | Pfauntsch, Uli, CompanyMaker
Gleichzeitig erhöhte sich die Short-Position der Commercials (Öl-Produzenten, Öl-Händler und Hedging-Firmen) im selben Zeitraum um knapp 60.000 auf eine Netto-Short-Position von 351.429 Kontrakten. Die derzeitigen Produktionsausfälle in mehreren Teilen der Welt und die von ihrem Rekordhoch von 9,6 mmbd im Juni 2015 auf inzwischen 8,79 mmbp gesunkene U.S. Ölproduktion, sind ausschlaggebend für die Zunahme der Netto-Long-Position am Öl-Terminmarkt.

Noch entscheidender sind die Ölpreis-Zyklen, die sich seit 150 Jahren stets im gleichen Muster wiederholen. In den Medien ist immer wieder die Rede von einer "Balance" im Ölmarkt. Doch in Wahrheit ist der Ölmarkt nie ausgeglichen. Hohe Preise führen stets zu Über-Investments, die in einer überschießenden Produktion enden. Tiefe Preise führen stets zu Unter-Investments, die in einem Angebotsdefizit enden.

Angesichts der mit geschätzten 400 Milliarden Dollar dramatischsten Kapitalkürzungen in der Geschichte des Ölsektors, wird sich das Angebotsdefizit ab 2017 und darüber hinaus dramatisch ausweiten. Noch vor einigen Monaten waren sich die Investmentbanken einig, dass Öl nie wieder die Marke von 100 Dollar erreichen wird. Ich werde die "Herren" Investmentbanker daran erinnern, wenn es wieder soweit ist.


Keine Rettung für U.S. Shale Produzenten

Am Terminmarkt gilt die Marke von 50 Dollar als hartnäckiger Widerstand, da erwartet wird, dass die U.S. Shale-Produzenten ab diesem Niveau ihre Produktion hochfahren könnten. Doch das wird nicht passieren. Denn viele der Öl- und Gasproduzenten, die selbst bei 100 Dollar negativen Cashflow auswiesen, werden auch bei 60 oder 70 Dollar nur Geld verbrennen.

"Bessere" Produzenten wie EOG, Marathon, Statoil, Continental, Pioneer oder Diamondback, die bei durchschnittlich 53 Dollar pro Barrel den Break-Even erreichen, werden nicht sofort mit dem Bohren beginnen, nur weil der Ölpreis die Marke von 50 Dollar erreicht hat. Diese Produzenten benötigen die Gewissheit, dass der Ölpreis nicht nur stabil bleibt, sondern auch nachhaltig steigen wird.

Darüber hinaus, dauert es 12 bis 15 Monate, um das nötige Kapital und die erforderlichen Fracking-Crews zu beschaffen. Das Problem: Sollte Öl steil ansteigen und einen neuerlichen "Mini-Boom" im Shale-Sektor auslösen, ist es auch mit den großzügigen Rabatten der Öl-Service-Giganten vorbei. Die "Kosten-Inflation" kann die Break-Even-Preise leicht um 20% bis 30% erhöhen, was den Nutzen steigender Ölpreise schnell zunichtemachen kann.


U.S. Öl & Gas: Pleitewelle erst am Anfang!


Öl-Bankrotte


SandRidge Energy ist bereits das fünfte Unternehmen, das neben Breitburn Energy, Linn Energy, Berry Petroleum und Penn Energy binnen fünf Tagen Bankrott ging. Seit Anfang 2015 meldeten 77 Unternehmen Insolvenz an - diese Zahl wird sich in den kommenden Monaten weiter erhöhen. Laut einer Schätzung von Deloitte, stehen 175 Öl- und Gasunternehmen weltweit vor dem Untergang und weitere 160 Unternehmen in einer finanziellen Notlage. Bislang sind in 2016 geschätzte 26 Milliarden Dollar in Schulden ausgefallen, deutlich mehr als die 17,5 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2015.

Durch die in den Medien propagierte "Öl-Rallye" scheinen viele Anleger den Eindruck gewonnen zu haben, das Schlimmste sei vorbei und die Aktien der Produzenten stehen vor einem Turnaround. Das Problem ist die immense Überschuldung der Unternehmen. Im letzten Quartal wurden 86 Prozent der operativen Einnahmen allein für Zinszahlungen ausgegeben. Dieses Jahr werden zwar nur 5,1 Milliarden Dollar Schulden zur Rückzahlung fällig, doch das ändert sich dramatisch ab 2017, wo bereits 25,1 Milliarden Dollar zur Rückzahlung anstehen. Bis 2020 wird sich diese Zahl auf 52,5 Milliarden Dollar verdoppeln.

Um die Zinsen zu bezahlen, bleibt kaum etwas übrig, um in neue Bohrungen zu investieren. Selbst dann, wenn es vielen Unternehmen gelingen sollte, ihre Zinsen über 2016 zu bezahlen, bleibt die Frage, wie die Schuldverschreibungen zur Fälligkeit getilgt werden sollen. Wenn die Produktion innerhalb eines Jahres um 50% oder 60% schrumpft, können sich die Ölpreise mehr als verdoppeln und trotzdem fehlen die Einnahmen, um den Gläubigern ihr Geld zurückzuzahlen.

Wie irrational sich der Markt verhält, zeigt sich am Beispiel von Chesapeake Energy, die zeitweise zu den meistgehandelten Aktien am US-Markt zählte. Der Markt "feierte" eine Reihe von Asset-Verkäufen und die Beibehaltung einer Kreditlinie und trieb den Kurs binnen kurzer Zeit von 1,50 Dollar auf über 7,50 Dollar nach oben. Bis ein Analyst von Barclays die Anteilseigner am 6. Mai daran erinnerte, dass die Aktie trotz einiger Fortschritte beim Schuldenabbau noch immer nicht mehr als 1 Dollar wert sei. Inzwischen ist der Kurs wieder unter die Marke von 4,00 Dollar gerutscht.


Chesapeake 2 Jahre


Fazit

Angesichts der zahlreichen Bankrotte, die uns insbesondere im U.S. Energiesektor noch bevorstehen, braucht es noch mehr Zeit, ehe sich ein Ende der laufenden Marktbereinigung abzeichnet. Die gute Nachricht: Mit der jüngsten Ölpreis-Rallye haben sich die Fundamentals für ausgesuchte Ölunternehmen bereits dramatisch verbessert. Sobald der Öl-Boom-Zyklus startet, stehen uns vergleichbare oder sogar noch stärkere Kursrallyes bevor, wie wir sie seit Januar/Februar im Minensektor erleben.


© Uli Pfauntsch
www.companymaker.de



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