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Palmöl: Dem Preisauftrieb sind Grenzen gesetzt

04.02.2016 | 6:00 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Die Furcht vor einem negativen Einfluss des Wetterphänomens El Niño auf die Produktion führte ab Mitte 2015 zu einem kräftigen Preisanstieg bei Palmöl, der bis in die Gegenwart anhält. Es wird damit gerechnet, dass die weltweite Produktion 2015/16 nur marginal zulegt. Dies spricht bei einer weiter steigenden Nachfrage zunächst für höhere Preise.

Einem weiteren Preisanstieg sind aber Grenzen gesetzt. Zum einen belasten niedrige Rohölpreise die Notierungen der zur Biokraftstoffproduktion eingesetzten Pflanzenöle wie Palmöl. Vor allem aber führt die hohe Verfügbarkeit an Sojabohnen dazu, dass sich Palmöl im preislichen Wettbewerb mit Sojaöl behaupten muss, um die in den letzten Jahren gewonnenen Marktanteile nicht zu verlieren.

Im Sommer 2015 war der Preis für Palmöl in Malaysia kurzfristig bei 1.800 Ringgit je Tonne (MYR/T) auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2008 gefallen. Es gelang ihm dann aber rasch wieder ein Anstieg, und Palmöl beendete 2015 bei rund 2.400 MYR/T marginal höher als es ins Jahr gestartet war. Aktuell notiert Palmöl bei rund 2.500 MYR/T. Das konkurrierende Sojaöl verzeichnete im letzten Sommer ebenfalls einen Preiseinbruch, konnte sich seither aber nicht so stark erholen wie Palmöl. Dies liegt allerdings auch an der Notierung in USD.

In US-Dollar je Tonne ausgedrückt liegt auch der Palmölpreis nach der dramatischen Abwertung des Ringgit gegenüber dem US-Dollar in den ersten 9 Monaten 2015 noch gut 10% unter dem Jahresbeginn 2015. Ende Januar stieg der Wert des Ringgit stark an. Bleibt dies so, wird dies wohl die weitere Preisentwicklung nicht unberührt lassen. Es verteuert malaysisches Palmöl für die Abnehmer im Ausland und könnte daher die Nachfrage belasten. Diese profitiert allerdings derzeit von den bevorstehenden Neujahrsfeierlichkeiten in China. Dagegen haben die Einfuhren Indiens, des größten Importeurs (Grafik 2), im Dezember enttäuscht.

Hinter dem Dezember 2014 blieben sie um fast 6% zurück, der erste und einzige Rückgang des Jahres. Zuvor waren die Pflanzenölvorräte Indiens auf einen neuen Rekord angestiegen, da die Importe über Monate aus Furcht vor einer El-Niño bedingt schlechten eigenen Ölsaatenernte erhöht worden waren. Zwar dürften die gesamten Pflanzenölimporte Indiens auch in der Saison 2015/16, die im November begann, zum zweiten Mal in Folge auf neue Rekorde steigen. Die Dezemberzahlen geben aber einen Vorgeschmack darauf, dass sich Palmöl im Umfeld einer hohen Verfügbarkeit von Sojabohnen zur Sojaölproduktion behaupten muss.

Die indischen Sojaölimporte legten nämlich im Vergleich zum Dezember 2014 kräftig zu. Vielfach wird damit gerechnet, dass auch China, dessen gedämpfter Wirtschaftsausblick mit Sorge betrachtet wird, seine Nachfrage bei einer anhaltenden relativen Verbilligung von Sojaöl verstärkt auf dieses umlenken wird.



Im Durchschnitt des Jahres 2015 war Sojaöl dennoch rund 104 USD je Tonne teurer als Palmöl. Derzeit beträgt die Prämie weniger als 90 US-Dollar je Tonne. Dies liegt vor allem daran, dass das niedrige Preisniveau bei Pflanzenölen vorrangig dem entspannten Produktionsausblick für Sojaöl im Gefolge einer weltweit hohen Sojabohnenproduktion geschuldet ist.

Auf der anderen Seite resultiert die geringere Preisrückstand des Palmöls gegenüber Sojaöl aber auch aus dem kritischeren Ausblick für Palmöl in den beiden mit Abstand wichtigsten Produzentenländern Indonesien und Malaysia. Diese stehen zusammen für etwa 85% der weltweiten Palmölproduktion. Indonesien vergrößerte in den letzten 10 Jahren seine Palmölfläche stark. Im Durchschnitt wurden jährlich 400 Tsd. Hektar zusätzlich erntereif, wenn die Ölpalmen das Alter von 3 Jahren erreichten. Dann können sie bis zu einem Alter von etwa 25 Jahren abgeerntet werden.

Aufgrund der starken Flächenausdehnung hat Indonesien seinen Produktionsvorsprung gegenüber Malaysia, bei dem Land und Arbeitskraft knapper sind, stark ausgebaut (Grafik 3) und dieses bereits vor Jahren als größten Exporteur abgelöst (Grafik 4).

Auch wenn El Niño möglicherweise seinen Höhepunkt überschritten hat, wird für die erste Jahreshälfte 2016 doch mit einem negativen Einfluss auf die Produktion von Palmöl gerechnet. Die Sorge vor Produktionseinbußen und die mit El Niño in Verbindung gebrachten Buschfeuer in Indonesien waren bereits ein wichtiger Grund dafür, dass die Palmölpreise in der zweiten Jahreshälfte 2015 wieder stark stiegen.

Das auf Ölsaaten und Öle spezialisierte Analysehaus Oil World erwartet für 2016 denn auch weltweit nur einen marginalen Produktionsanstieg um 400 Tsd. Tonnen - im Durchschnitt der letzten 5 Jahre waren es 3,2 Mio. Tonnen gewesen - und ein rückläufiges Lager-Verbrauchs-Verhältnis. Für Indonesien wird 2015/16 mit einer Produktion von knapp 34 Mio. Tonnen gerechnet, für Malaysia mit weniger als 20 Mio. Tonnen. Der Malaysische Palmölrat liegt mit 20,1 Mio. Tonnen leicht höher.

Das US-Landwirtschaftsministerium hat seine Prognose für die indonesische Produktion 2016 im Dezember gesenkt und erwartete nun mit 33 Mio. Tonnen eine Stagnation im Vergleich zu 2015. Dabei wird die Fläche 5% höher, die Erträge aber 5% niedriger als 2015 angesetzt. Letzteres ist die Folge der ungewöhnlichen Trockenheit in den Monaten Juni bis Oktober 2015, die wiederum El Niño zugeschrieben wird.

Die Folgen der langen Trockenheit dürften noch bis zu 12 Monate später spürbar sein, da sie Blüte und Fruchtbildung nachhaltig beeinträchtigt. Da inzwischen aber resistentere Sorten angebaut werden, dürften die Folgen der Trockenheit weniger dramatisch sein als bei dem starken El Niño 1997/98. Damals brachen die Erträge um 20% ein.

Eine durch El Niño gedämpfte Palmölproduktion könnte den Preis in den nächsten Monaten zwar weiter steigen lassen. Aufgrund der üppigen Versorgung der Welt mit den für das konkurrierende Sojaöl bestimmenden Sojabohnen sind dem Anstieg allerdings Grenzen gesetzt. Gegenwind kommt auch vom Ölpreis. Da Palmöl neben der Verwendung als Nahrungsmittel auch zur Biokraftstoffproduktion eingesetzt wird, hat der niedrige Rohölpreis über eine Verbilligung der konventionellen Kraftstoffe einen negativen Einfluss auf den Palmölpreis.

Und dies nicht nur in den Abnehmerstaaten, sondern auch in den Palmöl produzierenden Ländern selbst: Nach Ansicht der indonesischen Palmölvereinigung gefährdet das billige Rohöl das Ziel des Landes, 20% Beimischung von Biokraftstoff zu erzielen. Auch in Malaysia sieht der zuständige Minister die Umsetzung des Biodieselprogramms des Landes beeinträchtigt. Erholen sich die Rohölpreise wieder, könnte dies einen Preisanstieg bei Palmöl allerdings unterstützen.







© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: 'Rohstoffe kompakt', Commerzbank AG



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