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Die Rückkehr von La Niña und mögliche Folgen

21.10.2011 | 7:00 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Die sich in gegensätzlichen Wassertemperaturen im tropischen Pazifik äußernden Phänomene El Niño und La Niña beeinflussen das Wetter und die Wachstumsbedingungen für viele Agrarprodukte auf vielfältige und regional sehr unterschiedliche Weise. Die jüngste Prognose der US-Wetterbehörde NOAA, wonach sich La Niña entgegen bisherigen Erwartungen wieder verstärken soll, findet daher große Beachtung auf den Agrarmärkten.

In einer Mitteilung hat das Zentrum für Klimavorhersage der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) im September eine Rückkehr von La Niña-Bedingungen festgestellt und die Erwartung geäußert, dass sich diese moderat verstärken und bis in die Wintermonate andauern könnten. Das Wetterphänomen La Niña ist durch eine Abkühlung der Wassertemperaturen im tropischen Pazifischen Ozean charakterisiert.

Bei El Nino verhält es sich genau umgekehrt. Der tropische Pazifik, welcher sich zwischen Peru und dem indischen Subkontinent erstreckt, gilt als Motor der Wettermaschine in der Atmosphäre. Die starke Sonneneinstrahlung lässt hohe Mengen Wassers verdunsten, dieser Dampf steigt in die Atmosphäre auf, wird weitergetragen und kommt an anderer Stelle als Regen nieder. Nach Angaben der NOAA liegen die Temperaturen vor der südamerikanischen Küste meist bei 60-70 Grad Fahrenheit (16-21 Grad Celsius), in dem ‚warmen Pool’ im zentralen und westlichen Pazifik dagegen bei über 80 Grad Fahrenheit (27 Grad Celsius). Während El-Nino-Perioden dehnt sich dieser warme Pool aus, während er bei La Niña schrumpft.

Grafik 1 zeigt dabei die über verschiedene Gebiete im Durchschnitt beobachtete Erwärmung des Wassers im äquatorialen Pazifik (5°N-5°S, 180º-10 0ºW) in Grad Celsius (obere 300 Meter des Ozeans), wobei die Abweichung berechnet wird gegenüber dem Durchschnitt der Basisperiode 1982-2004. Wie sehr sich die Bedingungen verstärken werden ist allerdings noch unklar. Der Hochpunkt der La-Niña-Bedingungen wird für Januar/Februar 2012 erwartet.

La Niña kommt typischerweise alle drei bis fünf Jahre vor. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. Keinesfalls ist es nämlich so, dass auf La Niña immer El Niño folgt. Laut NOAA kommt es sogar in 50% der Fälle an zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu La-Niña-Bedingungen. Von daher ist die gegenwärtige Situation gar nicht so ungewöhnlich. In der Regel ist es aber so, dass die zweite La-Niña-Periode schwächer ist als die erste. So dürfte es wahrscheinlich auch diesmal sein.



Welche Auswirkungen hat La Niña auf das Wetter in den verschiedenen Regionen?

In den USA macht sich La Niña vor allem in den Wintermonaten (Dezember – Februar, Grafik 2) bemerkbar. Im Nordwesten ist es dann besonders kühl und nass. In der Landesmitte und im Osten ist es ungewöhnlich mild, im Süden dagegen außergewöhnlich trocken. Der Norden Australiens ist während dieser Monate besonders von Nässe betroffen, ebenso wie Südostasien und das nordöstliche Südamerika. Im Westen Kanadas, in Westafrika und im östlichen Südamerika ist es dagegen kühler als sonst.

Während der Sommermonate (Juni - August, Grafik 3, Seite 3) ist es bei La Niña in der Landesmitte der USA heiß und trocken. Im nördlichen und östlichen Australien ist es dann besonders warm. In Argentinien und im Süden Brasiliens ist es zu trocken, in Südostasien, Indien und im Norden Südamerikas dagegen kühl und nass. In Westafrika ist es ebenfalls kühler als sonst.


Welche Auswirkungen hat La Niña auf die Ernten der verschiedenen Agrarrohstoffe?

Kaffee
:

Für den wichtigsten Anbieter von Kaffee, Brasilien, könnte das Wiedererstarken von La Niña negative Folgen haben. Denn es ist zu befürchten, dass die Trockenheit noch länger anhält und somit die Blüte und die Ausbildung der Früchte beeinträchtigt wird. Die wichtigsten Kaffeeanbaugebiete liegen im Süden und Osten des Landes und sind daher besonders von der Trockenheit betroffen. In diesem Jahr sind die Regenfälle bereits deutlich verspätet.

Die inzwischen eingesetzten Regenfälle haben der Erwartung einer neuen Rekordproduktion wieder Auftrieb gegeben. Allgemein gilt aber, dass der Süden des Landes meist nicht von der während La Niña weiter nördlich auftretenden Feuchtigkeit profitieren kann. Diese könnte dafür in Kolumbien zum Problem werden, falls sich Pflanzenkrankheiten dadurch schneller verbreiten oder Wolkenbrüche die Früchte von den Bäumen reißen. Bei übermäßigem Regen könnte Kolumbiens Kaffeeernte zum vierten Mal in Folge enttäuschen, welche von Oktober bis Januar läuft.

Über die Regenperiode hinaus verlängerte Niederschläge im Oktober und November könnten in Vietnam die dann startende Ernte erschweren und die Qualität der Bohnen beeinträchtigen. Dies war auch im vergangenen Jahr der Fall, hat allerdings nicht verhindert, dass eine gute Ernte eingebracht wurde, die in dieser Saison sogar noch deutlich übertroffen werden soll.


Zucker:

Auch für die Zuckerproduktion im weltgrößten Zuckerexportland Brasilien könnte sich die lange Trockenheit als negativ erweisen. Denn die brasilianischen Zuckerrohrplantagen befinden sich weitgehend in derselben Region wie die Kaffeeanbaugebiete. Bereits in der abgelaufenen Saison hat die Trockenheit zu einer gegenüber dem (Rekord-)Vorjahr deutlich verringerten Zuckerrohrernte geführt (-7,4% gegenüber der Vorjahresperiode April bis Ende September).

Die Zuckerrohrernten in Thailand und Australien könnten durch überdurchschnittliche Regenfälle ebenfalls beeinträchtigt werden. In Indien waren die ergiebigen Regenfälle während der Monsunsaison der inzwischen angelaufenen Zuckerrohrernte dagegen förderlich, so dass hier mit einem deutlichen Produktionsplus zu rechnen ist. Allerdings sorgen derzeit auch hier verlängerte Regenfälle für Befürchtungen, dass die Verarbeitung sich verzögern könnte.




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