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Financial Sense: Energieboom - Uran, Kernkraft & die neue Machtverschiebung

06.01.2026
Steht die Welt vor einer Renaissance der Kernenergie? Laut Woody Preucil, Senior Managing Director bei 13D Research & Strategy, lautet die Antwort eindeutig "Ja". Da die Nationen um die Dekarbonisierung, die Sicherung der Energieversorgung und die Befriedigung eines unstillbaren Hunger nach Strom wetteifern – was zum Teil durch den Aufstieg der künstlichen Intelligenz vorangetrieben wird –, steht der Uranmarkt vor einem tiefgreifenden Wandel.

In einem kürzlich geführten Gespräch im FS Insider-Podcast von Financial Sense erläuterte Preucil die Kräfte, die diese Wiederbelebung vorantreiben, und gab wichtige Einblicke in die Zukunft von Uran, Kernenergie und globaler Energiepolitik.


Ein perfekter Sturm: Klima, Energiesicherheit und die KI-Revolution

Das wiederauflebende Interesse an Kernenergie ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer Megatrends, die zusammenlaufen. "Derzeit erleben wir eine Renaissance der Kernenergie", betont Preucil und nennt drei wichtige Treiber:

1. Der dringende Druck, die Wirtschaft zu dekarbonisieren und Klimaziele zu erreichen.
2. Ein verstärkter Fokus auf Energiesicherheit nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine.
3. Explosives Wachstum der Stromnachfrage, insbesondere durch KI und Rechenzentren.

Große Technologieunternehmen, die sich ihrer eigenen enormen Energiebilanz bewusst sind, schließen nun langfristige Verträge mit Kernenergieanbietern ab. Wie Preucil es ausdrückte, steht "der enorme Energiehunger durch generative KI und den Ausbau von Rechenzentren" nun im Mittelpunkt der Energieplanung. Diese Trends verlängern nicht nur die Lebensdauer bestehender Reaktoren, sondern beschleunigen auch weltweit die Pläne für neue Reaktoren.


Die Uranknappheit: Eine sich anbahnende Versorgungskrise

Wenn Sie glauben, dass es hier nur um neue Reaktoren geht, sollten Sie noch einmal darüber nachdenken. Im Mittelpunkt von Preucils Argumentation steht ein sich abzeichnendes strukturelles Defizit bei der Uranversorgung – eine Lücke, die sich seiner Meinung nach mit steigender Nachfrage nur noch vergrößern wird.

Während die Nachfrage nach Kernenergie steigt, hinkt die Uranversorgung weit hinterher. Preucil legte die Zahlen vor: "Derzeit gibt es weltweit etwa 440 Reaktoren. Diese verbrauchen heute etwa 190 bis 200 Millionen Pfund Uran im Jahr, aber die Uranminen produzieren nur etwa 150 Millionen Pfund." Selbst nach einer gewissen Erholung von einem zehnjährigen Bärenmarkt wird die Produktion voraussichtlich nur 160 Millionen Pfund erreichen.

Die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Minen ist ein langsamer, schwieriger Prozess, und die Inbetriebnahme neuer Minen kann 10 bis 15 Jahre dauern. Preucil äußerte sich unverblümt: "Die einzige Möglichkeit, dieses strukturelle Versorgungsdefizit zu beheben, sind höhere Uranpreise. Man muss den Bergbauunternehmen Anreize bieten, neue Kapazitäten zu schaffen."

Die aktuellen Preise, die zwischen 70 und 80 US-Dollar je Pfund liegen, müssten möglicherweise auf 100 oder sogar 120 US-Dollar steigen, um bedeutende neue Investitionen in den Bergbau anzuregen.

Angesichts der Tatsache, dass es ein Jahrzehnt oder länger dauert, bis neue Minen in Betrieb genommen werden können, und dass keine größeren Projekte in Sicht sind, die bald die Produktion aufnehmen könnten, warnt er: "Dieses Versorgungsdefizit könnte sich tatsächlich noch verschlimmern, bevor es besser wird."


Die USA machen Ernst: Von der Politik zur Praxis

Während China und Russland als Exporteure von Nukleartechnologie weit voraus sind, unternimmt die USA endlich Schritte, um aufzuholen. Preucil verweist auf jüngste Durchführungsverordnungen und wegweisende Vereinbarungen – wie die 80-Milliarden-Dollar-Partnerschaft mit Westinghouse –, um die Nuklearkapazität der USA bis 2050 zu vervierfachen und wieder mit dem Bau zu beginnen.

"Nach jahrzehntelangem Zögern geht die Bundesregierung nun von der grundsätzlichen Unterstützung der Kernenergie zum praktischen Bau von Kernkraftwerken über", beobachtet er. Bei dem neuen Ansatz geht es nicht nur um Subventionen, sondern um die Wiederbelebung eines heimischen Ökosystems aus "hochpräziser Fertigung, Schwerguss, Steuerungssystemen und Fachhandwerk, das seit den 1980er Jahren verloren gegangen ist".

Preucil sieht darin "eine industriepolitische Partnerschaft, um die Kernenergie zu einem nationalen strategischen Gut zu machen und nicht nur zu einem Experiment des privaten Sektors".

Dennoch ist er offen hinsichtlich der Herausforderungen: "Amerika ist in diesem Wettlauf um die Kernreaktortechnologie der Außenseiter." Der Wiederaufbau der heimischen Lieferkette und die Rückgewinnung verlorener Fachkenntnisse werden Jahre dauern – eine gewaltige Aufgabe in einem globalen Umfeld, in dem China bereits 8 bis 10 Reaktoren im Jahr baut und Russland den Exportmarkt dominiert.


Kernkraft der nächsten Generation: Kleine modulare Reaktoren und eine sicherere Zukunft

Eine der spannendsten Entwicklungen, die Preucil hervorhebt, ist der Aufstieg kleiner modularer Reaktoren (SMRs) und sogar Mikroreaktoren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gigawatt-Anlagen können SMRs eine Leistung von nur 50 Megawatt haben, Mikroreaktoren sogar nur etwa 20 Megawatt – genug, um einen Campus oder ein Stadtviertel mit Strom zu versorgen.

"Diese Reaktoren [...] werden langfristig einen erheblichen Einfluss auf die Urannachfrage haben", sagt er. Sie bieten nicht nur Skalierbarkeit und Flexibilität, sondern auch erhöhte Sicherheit dank neuer Brennstoffe wie TRISO (Tri-Structural Isotropic), die die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze erheblich verringern.

Auch wenn SMRs vor den 2030er Jahren wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben werden, könnte ihr Einfluss auf die Urannachfrage doch erheblich sein und den bereits steigenden Versorgungsdruck noch verstärken.


Das Fazit: An der Schwelle zu einer neuen Ära

Die Welt kehrt in einem seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenen Ausmaß zur Kernenergie zurück. Wie Preucil es ausdrückte: "Die Lösung dieses strukturellen Versorgungsdefizits an Uran für die bestehenden Anlagen ist von größter Bedeutung und muss unbedingt angegangen werden." Angesichts der konvergierenden Herausforderungen in den Bereichen Klima, Sicherheit und Technologie könnte der Bullenmarkt für Uran tatsächlich erst am Anfang stehen.

Vor diesem Hintergrund, da Länder, Unternehmen und Investoren wieder auf die Kernenergie setzen, steht der Westen nun vor einer entscheidenden Herausforderung: eine neue Ära sauberer, sicherer Energie anzuführen – oder zu riskieren, die Zukunft an seine Konkurrenten abzutreten.


© Financial Sense


Der Artikel wurde am 5. Januar 2026 auf www.financialsense.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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