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Emissionshandel kommt nicht vom Fleck

27.03.2017  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
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Neben den zwei wichtigen Änderungen in Bezug auf die Marktstabilitätsreserve wurde noch ein weiteres Element im EU Umweltrat überraschend verschärft: Er betrifft implizit den Anteil der frei zugeteilten Zertifikate, also der Zertifikate, die den im freien Wettbwerb stehenden Industrienehmen ohne Kosten zugeteilt werden, um so eine Abwanderung der Produktion ins Ausland zu verhindern ("Carbon Leakage").

Grundsätzlich ist dieser Anteil auf 43% beschränkt (die übrigen Zertifikate werden versteigert). Der Rat strebt an, die maximale Abweichung dieses Anteils auf nur zwei Prozent zu begrenzen statt wie vom Parlament vorgeschlagen fünf Prozent zuzulassen.

Alles in allem hat der Rat also durchaus Willen gezeigt, den EU Emissionshandel in der vierten Handelsperiode zu verknappen. Statt der von vielen erwarteten laxeren Regeln haben die Mitgliedsländer für eine Verschärfung gestimmt. Damit ist der Weg nun frei für den Trilog zwischen EU-Parlament, Rat und Kommission. Spätestens in der ersten Jahreshälfte 2018 soll der Legislativprozess abgeschlossen sein.

Warum aber können sich bei all diesen Strukturreformen die Preise nicht erholen? Wir führen die derzeit gedämpfte Preisentwicklung vor allem auf das hohe Versteigerungsvolumen zurück. Denn mit dem Auslaufen des Backloadings ist in diesem und nächstem Jahr das Auktionsangebot hoch (nochmals Grafik 6).

Demgegenüber steht wie eingangs erwähnt ein wohl im letzten Jahr erneut gefallener Emissionsausstoß der im EU ETs erfassten Anlegen. Allerdings dürften die Anfang April zur Veröffentlichung anstehenden verifizierten Emissionen nicht ganz so stark gefallen sein wie Sandbag / Agora erwarten.

Zwar gehen auch wir davon aus, dass aufgrund der geringen Kohleverstromung die Emissionen der Verbrennungsanlagen 2016 trotz leicht gestiegener Produktion deutlich gefallen sind. Dem dürften aber höhere Emissionen in den erfassten Industriezweigen gegenüber stehen. Denn dank des Baubooms ist die Produktion in der europäischen Zementindustrie um rund 8% gestiegen.

Auch die Aluminiumindustrie verbuchte ein deutliches Plus und die Raffinerien immerhin ein mageres. Damit dürfen diese Industriezweige das Minus in der europäischen Stahlindustrie mehr als wettmachen (Grafik 7). Alles in allem rechnen wir mit einem Minus der verrifzierten Emissionen von 2¼% gegenüber Vorjahr.

Kurzfristig dürfte das hohe Auktionsangebot eine Preiserholung ausbremsen. Die langfristige Verknappung sollte die Preise aber ganz allmählich höher schieben: Ende des Jahres dürfte der Preis im Emissionshandel bei 6 Euro je Tonne notieren.

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