Sturm Isaac verläuft vergleichsweise glimpflich
Ölpreisrekord in Euro in ReichweiteSeit dem Zwischentief im Juni diesen Jahres, als die Öl-Benchmark Brent in der Spitze knapp 30% einbüßte, legte der Preis für Nordseeöl - ausgehend vom Jahrestief von 88 US-Dollar - bis dato wiederum rund 30% zu. Ursache für die Rallye im zweiten Halbjahr war ein Mix aus geopolitischen Nachrichten, einer höheren Risikoneigung der Marktteilnehmer, dem drohenden Ausfall von Förder- und Raffineriekapazitäten im Golf von Mexico wegen des Sturms "Isaac" sowie einer temporären Angebotsverknappung von Nordseeöl.
Die höhere Risikofreude war vor allem auf Kommentare der Notenbanker diesseits und jenseits des Atlantiks zurückzuführen - EZB-Präsident Draghi sowie die Fed schürten die Hoff-nung auf weitere Anleihekäufe durch die EZB und die US-Notenbank. Zudem sorgte kurzzeitig der Streik der norwegischen Ölarbeiter für steigende Preise an den Rohölbörsen.

Brentspezifische Faktoren führen zu Knappheit
Der Streik in der norwegischen Ölindustrie spielte zunächst nur ein kurzes Intermezzo, das Angebot von Nordseeöl und damit der Benchmark "Dated Brent" bleibt jedoch knapp - alternde Ölfelder sorgen für sinkende Produktionsraten. Hinzu kommt derzeit die anstehende Wartung des Ölfeldes Buzzard, dem größten Ölfeld Großbritanniens. Buzzard spielt eine entscheidende Rolle in der Preisfindung der Benchmark Brent, die für knapp zwei Drittel des globalen Ölhandels als Referenzgröße dient.
Dated Brent wird aus den Rohölpreisen der Brent-, Forties-, Oseberg-, und Ekofisk-Felder (BFOE) ermittelt. Buzzard macht den größten Anteil am Forties-Ölfeld aus, das üblicherweise den Preis für Brent bestimmt. Die Benchmark Brent wird nicht aus dem Durchschnitt der BFOE-Felder ermittelt, sondern vom jeweils günstigsten Preis der vier BFOE-"Indexmitglieder" - üblicherweise ist Forties am günstigsten. Mitte Oktober könnte allmählich wieder Normalität einkehren, wenn die Wartung des Buzzard-Feldes abgeschlossen ist.
An der grundsätzlichen Problematik der Marktenge von Brent - weniger als eine Mio. Barrel pro Tag gehandeltes Öl - wird sich jedoch nur wenig ändern. Zudem drohen derzeit die Service-Mitarbeiter der norwegischen Ölindustrie mit Streiks - vor einigen Wochen waren es die Mitarbeiter der Ölplattformen, die ihre Forderungen durch Arbeitsniederlegung durchsetzen wollten. Die Verhandlungen des Servicepersonals sind jedoch in einem frühen Stadium, so dass ein möglicher Streik frühestens in zwei Wochen wahrscheinlich wird.





