Ausblick 2012: Geopolitik versus Konjunktur

Die Gaspreise außerhalb der USA notieren mehr als doppelt so hoch wie Henry Hub (Grafik 9). Die primär ölindexierten Preise in Kontinentaleuropa, für die der deutsche Grenzübergangspreis zumeist als Benchmark dient, wurden bis zum Frühjahr 2011 schon allein durch den Ölpreisanstieg nach oben gezogen. Aber auch die Preise am britischen Spotmarkt konnten ihr hohes Niveau halten. Wichtige Preisstütze ist aktuell der in Japan kräftig gestiegene Bedarf an verflüssigtem Erdgas (LNG), der dem Ausfall zahlreicher Atomkraftwerke aber auch einiger Kohlekraftwerke geschuldet war.
In den Monaten Mai bis Oktober 2011 lagen die LNG-Importe immerhin 17% über dem Vorjahr. Japan stand bereits im Jahr 2010 mit einem jährlichen Importbedarf von knapp 93 Mrd. Kubikmeter für knapp ein Drittel des weltweiten LNG-Handels und ist damit der mit Abstand größte Importeur. Aber auch langfristig dürfte der stark steigende Bedarf Asiens die Preise stützen. Vor allem China dürfte mit einer rasant steigenden Nachfrage in Konkurrenz zu den europäischen Nachfragern treten. Wir sehen den weiterhin rasch expandierenden LNG Handel als Bindeglied zwischen den Märkten, der in der langen Frist eine stärkere Angleichung der verschiedenen lokalen Erdgasmärkte erwirken sollte.

CO2-Markt - Made in Brussels
Der CO2-Handel im Jahr 2011 war äußerst volatil. Nach einem durch die japanische Atomkatastrophe begünstigten Preisanstieg, als sich EUAs (Dezember 2012-Futures als Referenz) im 1.Quartal von unter 15 Euro auf teilweise über 18 Euro je Tonne verteuert hatten, sind die CO2-Preise im weiteren Verlauf von 2011 massiv gefallen. Allein seit Anfang September haben sich die Preise halbiert und markierten mit 6,75 Euro je Tonne für diese Handelsphase (2008-2012) Mitte Dezember ein Rekordtief.
Sogar während der schweren Wirtschaftskrise in 2008/09 ist der CO2-Preis nur sehr kurzfristig unter 10 Euro je Tonne gefallen. Wir glauben, dass die jüngste Entscheidung des Umweltausschusses des Europäischen Parlamentes, einen Teil der zur Versteigerung in der dritten Handelsperiode ab 2013 kommenden CO2-Zertifikate einzubehalten, eine Trendwende am Emissionsmarkt markieren könnte.
Zahlreiche Verwerfungen, Unklarheiten und Skandale sowie schwache Wirtschaftswachstumsperspektiven in Europa (Grafik 10) und die fehlende globale politische Unterstützung haben das Vertrauen im europäischen Emissionshandel EU ETS erschüttert. Zuletzt hatte der Weltklimagipfel in Durban bestätigt, dass sich die anderen Länder außerhalb der EU kaum um verbindliche Emissionsziele bemühen.
Umso erstaunlicher scheint die Tatsache, dass die EU ihren Sonderweg weiter geht. Offensichtlich haben die Politiker erkannt, dass die gegenwärtigen Preise kaum Anreize zu Sparanstrengungen bieten. Dies stimmt uns positiv für den Preisverlauf der CO2-Zertifikate, obgleich der Vorschlag des Umweltausschusses zunächst nur ein erster Anstoß ist und noch zahlreiche Hürden auf dem Weg zu einem Gesetz zu überwinden sind. So dürfte der Vorschlag auf wenig Gegenliebe im Industrieausschuss des Europäischen Parlamentes stoßen, der sich damit Anfang 2012 auseinander setzen wird. Aber auch die Zustimmung der Mehrheit der Einzelstaaten wäre letztlich erforderlich.
Dennoch zeigt die Maßnahme, dass trotz des globalen Gegenwindes die EU an den Zielen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes festhält. Auch der zweite Vorschlag des Ausschusses, das Tempo, mit dem die Emissionsobergrenze für die Umweltverschmutzer im EU ETS gesenkt wird, ab 2014 von zuvor 1,74% auf 2,25% p.a. zu erhöhen, dürfte unterstützend wirken. Nicht zuletzt stimmt uns die jüngste Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes positiv, der die Einbindung der nicht-europäischen Fluglinien in den EU ETS für rechtmäßig befunden hat. Damit müssen sich diese ab 2013 mit den CO2-Zertifikaten eindecken.
Alles in allem glauben wir, dass die Risiken beim gegenwärtigen EUA-Preis von knapp 7 Euro je Tonne bereits ausreichend berücksichtigt sind und der seit Sommer anhaltende Abwärtstrend (Grafik 11) in den kommenden Wochen nach oben drehen sollte. Im Verlauf des Jahres 2012 dürfte die bessere Klarheit über die im Januar 2013 beginnende dritte Handelsperiode die Preise weiter unterstützen und sich die Preise oberhalb der Marke von 10 Euro je Tonne festigen.

Auf einen Blick







