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Ausblick 2012: Geopolitik versus Konjunktur

04.01.2012  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
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Nahezu spiegelbildlich ist die Situation am Benzinmarkt. Hier hat vor allem die Nachfrage im mit Abstand größten Verbrauchsland, den USA, enttäuscht. Daraus resultierte zusätzlich bedingt durch eine höhere Ethanolproduktion ein Angebotsüberschuss. Damit wurden die Vereinigten Staaten zum Nettoexporteur von Benzin, so dass trotz des höheren Benzinbedarfs in Lateinamerika die Benzinpreise tendenziell unter Druck gerieten. Wir rechnen im Jahr 2012 mit einer Auflösung des Überangebots, nicht zuletzt auch weil die USA die Subventionen für die Ethanolbeimischung reduziert haben und der Effekt der hohen Preise auf die Nachfrage ausläuft.

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Kohle: Nachfrageschwäche belastet Preise

Die Preisbewegungen am Kohlemarkt waren bis zum Herbst 2011 nicht nur im Vergleich zum Ölmarkt, sondern auch bezogen auf die eigene Historie wenig ausgeprägt (Grafik 6). Das ist umso bemerkenswerter, als dass die Volumina der seit Mitte 2006 an der ICE gehandelten Kohlefutures kräftig gestiegen sind: nach einem Zuwachs um 60% im Jahr 2010 legten diese in den ersten elf Monaten des Jahres 2011 um weitere 10% zu.

Damit hat sich für Kohle eine weitere Benchmark etabliert, nachdem jahrzehntelang auch aufgrund der unterschiedlichen Qualitätsanforderungen der Kohlekraftwerke vornehmlich bilaterale Verträge ausgehandelt wurden. Insgesamt beläuft sich das derivative Handelsvolumen Schätzungen zufolge auf 3 Mrd. Tonnen, was dem 3,5-fachen des physischen Kraftwerkskohlehandels entspricht.

Seit Herbst 2011 sind die Preise allerdings unter Druck geraten. Auch in den kommenden Monaten rechnen wir mit zunächst seitwärts bis leicht abwärts tendierenden Kohlepreisen. Ausschlaggebend ist die Verlangsamung der Konjunktur. In Europa, auf welches rund 20% der globalen Importnachfrage entfällt, droht sogar eine Rezession. Dass eine Verlangsamung der Wirtschaftsaktivitäten nicht ohne Folgen bleibt, zeigt ein Blick zurück auf die Rezession im Jahr 2009. Damals war die europäische Kohlenachfrage um fast 10% eingebrochen. Ein deutlicher Rückgang der Nachfrage dürfte trotz fallender Eigenproduktion den Importbedarf schrumpfen lassen.

Aber auch in China, dem mit Abstand größten Verbrauchsland, das zudem seit einiger Zeit zu den wichtigsten Kohleimporteuren der Welt zählt, hat sich die Wirtschaftsdynamik etwas verlangsamt. Ein geringeres Expansionstempo in der Industrie schlägt sich in der Stromerzeugung nieder, die in China zu 80% kohlebasiert ist. Wir rechnen deshalb mit einem vorübergehenden Abflachen des Importsogs, zumal die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission ab Januar 2012 eine für Versorger geltende Preisobergrenze für heimische Kohle festsetzt. Damit wird der Einkauf von heimischer Kohle durch die Kraftwerke attraktiver, solange nicht gleichzeitig das heimische Kohleangebot aufgrund der Preisobergrenze eingeschränkt wird.

Die mittelfristigen Nachfrageperspektiven sind aber intakt. Vor allem in Indien öffnet sich die Schere zwischen Nachfrage und Produktion (Grafik 7). Aber auch in Japan, ohnehin der weltgrößte Kohleimporteur, ist mit einem deutlichen Verbrauchszuwachs zu rechnen, nachdem die Kohlekraftwerkskapazitäten wiederhergestellt und die Ausfälle bei den Atomkraftwerken zu kompensieren sind.

Und wie sehen die Perspektiven für das Angebot aus? Dieses dürfte mit der Nachfrage gut Schritt halten, denn in den letzten Jahren wurde einiges an Investitionen zum Ausbau der Minen sowie der Infrastruktur in wichtigen Lieferländern getätigt. In Australien beispielsweise werden neue Minenkapazitäten von knapp 20 Mio. Tonnen pro Jahr in Betrieb genommen. Darüber hinaus wurden neue Verladekapazitäten geschaffen.

Alles in allem rechnen wir wegen der Nachfrageschwäche in Europa zunächst mit einem weiteren leichten Nachgeben der Kohlepreise, bevor sie getragen durch den weiterhin kräftig steigenden Bedarf in Asien wieder anziehen werden.

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Gas: Henry Hub bleibt wegen kräftig wachsender Produktion unter Druck

Der US-Gaspreis hat Mitte 2011 nach einer vor allem nachfragebedingten leichten Preiserholung seine Talfahrt wieder aufgenommen: Im Jahresdurchschnitt ist der Preis knapp 10% gefallen und lag mit 4 USD je mmBtu sogar unter dem “Rezessionsniveau“ von 2009. Gerade am aktuellen Rand sind die Preise nochmals unter Druck geraten: Sie sind bis zuletzt weiter gefallen statt wie üblich aufgrund des höheren Bedarfs im Winter zu steigen; damit notierten sie erstmals seit 10 Jahren im Dezember im Durchschnitt deutlich unterhalb von 4 USD je mmBtu und schlossen das Jahr 2011 sogar bei weniger als 3 USD je mmBtu ab.

Wird sich die Talfahrt 2012 fortsetzen? Angesichts der nur moderat expandierenden US-Wirtschaft wird die Konjunktur der Nachfrage wohl nur wenig Impulse geben. Profitieren wird diese aber von den nun schon seit drei Jahren sehr niedrigen Preisen. Sie haben begünstigt, dass sowohl in der Industrie als auch in der Stromerzeugung verstärkt auf Gas gesetzt wird und diese Bereiche trotz nachlassender Dynamik weiterhin wichtige Wachstumspfeiler sind (Grafik 8). Alles in allem dürfte die US-Nachfrage 2012 um knapp 2% wachsen.

Dem steht allerdings eine weiterhin kräftige Zunahme der US-Gasproduktion gegenüber. Im Jahr 2011 ist diese Schätzungen der EIA zufolge nochmals um 6,6% gestiegen, wobei ein kräftiger Produktionszuwachs im Landesinneren den Rückgang im Golf von Mexiko überkompensiert hat. Infolgedessen ist der Importbedarf weiter gesunken. Alles spricht für eine Fortsetzung dieser Tendenz in 2012, wobei sich die Zuwachsraten etwas verringern dürften.

Wir haben unsere Prognose aufgrund der oben genannten Faktoren nach unten angepasst und rechnen für 2012 nur noch mit einem durchschnittlichen Erdgaspreis von 3,9 USD je mmBtu. Da allerdings die Substitutionseffekte hin zu Gas aufgrund des niedrigen Preises anhalten und zudem viele belastende Nachrichten bereits eingepreist sein sollten, dürften die Preise im Jahresverlauf allmählich steigen. Erst 2015, wenn sich mit der Fertigstellung des ersten Export-Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) ein Anschluss an den internationalen Markt auftun wird, können die Überschüsse vom US-Markt abfließen und die US-Gaspreise vom international stark steigenden Erdgasbedarf profitieren, der ein deutlich höheres Preisniveau außerhalb der USA impliziert.



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