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Oil Markets Monthly

26.02.2010  |  Sintje Diek (HSH Nordbank)
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Kein Handlungsbedarf für die OPEC

Am 17. März findet in Wien das nächste Treffen der OPEC statt. Wieder einmal steht damit die Förderpolitik der Länder zur Disposition, die für 40% des weltweiten Ölangebots verantwortlich sind. Derzeit beläuft sich die offizielle Förderquote der elf Länder mit Target (ohne Irak) auf 25,85 Mio. bpd, denn im Zuge der Finanzmarktkrise und einer einbrechenden Ölnachfrage hat die OPEC angekündigt, ihre Förderung im Vergleich zum September 2008 um 4,2 Mio. bpd reduzieren zu wollen.

Wir rechnen nicht damit, dass das Kartell eine Neueinschätzung seiner offiziellen Förderpolitik vornehmen wird. Zwar bewegen sich die Ölpreise derzeit am oberen Ende ihrer Handelsrange, doch die Notierungen sind kaum Ausdruck eines Engpasses auf dem Ölmarkt. Die Ölnachfrage ist weiterhin vergleichsweise schwach, während die Rohöllager gut gefüllt sind. So reichen die Industrielagerbestände der OECD-Länder beim aktuellen Ölverbrauch für 61 Tage; ein Niveau, das in den letzten Jahren nicht annähernd erreicht wurde.

In den USA, dem weltweit größten Ölverbraucher, befinden sich die Lagerbestände ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Aus fundamentaler Sicht ist daher derzeit eine höhere Förderquote nicht notwendig. Gleichermaßen steht eine Reduzierung der offiziellen Fördermenge nicht zur Diskussion. Das aktuelle Ölpreisniveau dürfte durchaus zufrieden stellend für die OPEC angesichts der holprig verlaufenden konjunkturellen Erholung sein. Eine Einigung auf eine niedrigere Förderung würde die Ölpreise nach oben klettern lassen und könnte die Konjunkturaufhellung abwürgen.

Allerdings dürften sich die OPEC-Staaten erneut eine stärkere Umsetzung ihrer bisherigen Fördermengenkürzungen auf die Fahnen schreiben. So hat die OPEC ihre niedrigere Produktion im Dezember zu knapp 60% implementiert, während dies zu Jahresbeginn 2009 noch zu über 70% geschah. Mit den per saldo in den letzten Monaten gestiegenen Ölpreisen ist eine höhere Produktion attraktiver geworden; eine Entwicklung, die sich auch in der nächsten Zeit fortsetzen sollte. Mehr Disziplin der OPEC-Länder dürfte wohl ein Lippenbekenntnis bleiben. Durch besonders niedrige Disziplin zeichneten sich zuletzt Angola, Nigeria und der Iran aus – während die beiden erst genannten Länder die Kürzungen komplett ignorierten, setzte der Iran sie zumindest zu 16% um –, dagegen ist es weiterhin Saudi-Arabien, den VAE und Kuwait zu verdanken, dass die Ölproduktion tatsächlich geringer ausfällt.


Raffineriebetreiber unter Druck

Total, Europas größter Raffineriebetreiber, hatte zuletzt mit einem Streik seiner Belegschaft zu kämpfen; eine Situation, die ebenfalls die Ölpreise nach oben trieb. Der Streit hatte sich ursprünglich an der Absicht des Unternehmens entzündet, die Dunkirk-Raffinerie im Norden Frankreichs zu schließen, wo der Betrieb bereits im September 2009 aufgrund der vergleichsweise geringen Nachfrage eingestellt wurde. Nachdem in Verhandlungen keine Einigung zu diesem Thema erzielt werden konnte, hatten sich die Proteste auf die anderen Raffinerien des Landes ausgeweitet. Denn auch deren Zukunft ist ungewiss.

Der Streik konnte nun zum größten Teil beendet werden, indem Total die Zusicherung gegeben hat, dass abgesehen von der Dunkirk-Raffinerie keine weitere der sechs Raffinerien des Unternehmens in den nächsten fünf Jahren geschlossen oder verkauft wird. Nur die Proteste an der Dunkirk-Raffinerie werden noch in den nächsten Tagen weitergehen. Darüber hinaus gibt es Spekulationen, wonach Total ebenfalls die Produktion der Lindsey-Raffinerie in Großbritannien einstellen will, was zusammen mit der endgültigen Schließung der Dunkirk-Raffinerie die Produktion um 500.000 bpd bis 2011 reduzieren würde, ein erklärtes Ziel des Unternehmens.

Mit diesen Problemen steht Total jedoch nicht allein da. Auch andere europäische Raffineriebetreiber haben mit der gesunkenen Nachfrage und damit einhergehend niedrigeren Margen zu kämpfen. Angesichts der bestehenden Probleme ist schon eine ganze Reihe von Raffinerien verkauft worden bzw. steht zum Verkauf. Darüber hinaus haben die Raffineriebetreiber aufgrund der Absatzschwierigkeiten deutlich ihre Kapazitätsauslastung reduziert.

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Stand diese im Dezember 2008 noch bei 84,2%, so erreichte sie zum Jahresende 2009 nur noch ein Niveau von 77,2%. Dabei haben Frankreich und Italien mit 70% die niedrigsten Stände gemeldet, gefolgt von Deutschland, Spanien und Großbrtannien mit 79%. In den Niederlanden blieb die Raffinerieauslastung mit 85,4% noch vergleichsweise hoch. Wie zuvor schon beschrieben, sieht die Entwicklung in den USA ähnlich aus. Auch hier haben die Raffineriebetreiber die Auslastung deutlich heruntergefahren, da die Margen gesunken sind. Im laufenden Jahr sollten weitere Raffinerien geschlossen werden, worunter auch solche internationaler Ölfirmen fallen könnten.


© Sintje Diek
Economics & Research

Quelle: HSH Nordbank AG





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