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Gold weiter im Aufwärtskanal

31.07.2017 | 9:14 Uhr | Martina Fischer, Heraeus

Gold weiter im Aufwärtskanal

Gold startete die Berichtswoche mit einem Preis von 1.255 $/oz und konnte den positiven Aufwärtstrend der letzten Wochen beibehalten. Nach dem Schlussgong am Freitag standen 1.269 $/oz auf der Anzeigetafel, nachdem einige Stunden zuvor schon das 7-Wochen-Hoch erreicht werden konnte.

Über die Sommermonate erwarten wir von der FED eine Zinserhöhungspause und Prognosen zufolge wird von den meisten Analysten der nächste Zinsschritt um 25 Basispunkte erst wieder im Dezember erwartet. Die Kombination von politischer Unsicherheit in den USA, potenziell negativer Überraschungen aus der Wirtschaft, niedriger Inflation und eine eventuelle Korrektur im Aktienmarkt bestärkt viele Marktteilnehmer in der Annahme, dass es für 2017 keine Zinserhöhung mehr geben wird.

Die Aussicht auf ein weiterhin niedriges Zinsniveau und der aktuell schwächerer USD haben in der letzten Woche den Goldpreis beflügelt. Unterstützt wurde der Trend durch gute Fundamentaldaten aus China: Chinesischen Presseberichten zufolge ist die physische Nachfrage nach Gold in China um knapp 10% im ersten Halbjahr auf 545 Tonnen angestiegen.

Charttechnisch gesehen sollte der Trend noch weiter anhalten, wobei wir Widerstand bei 1.275 $/oz und Unterstützung bei 1.250 $/oz sehen.


Silber im Windschatten von Gold

Silber weist aktuell eine sehr hohe Korrelation im Verhältnis zu Gold auf und konnte im Laufe der letzten Woche 0,34 $/oz an Wert gewinnen. Der Schlusskurs lag bei 16,75 $/oz.

Die Nachfrage nach Silber aus der Industrie macht etwas mehr als 50% der Gesamtnachfrage aus und weist mit aktuell knapp 500 Millionen Unzen ein stabiles Wachstum ggü. dem Vorjahr aus. Der Terminmarkt ist weiterhin geprägt durch Netto-Short-Positionen, die im Wochenverlauf potenziell durch Käufe gedeckt werden müssen. Wir gehen daher weiterhin davon aus, dass bei dem aktuellen positiven Umfeld für Gold und Silber der Preis für Silber deutlich über 17 $/oz steigen könnte.

Im Vergleich zu Gold bleibt Silber weiterhin eine günstige Alternative für Investoren. Aktuell beträgt das Gold-Silber-Ratio 76 und ist somit nur knapp unter dem 15-Monats-Hoch von 82 am 7. Juli.


Herausfordernde Prognose für Platin

Insgesamt steht die Platinpreisentwicklung seit Anfang 2017 im scharfen Kontrast zum Schwestermetall Palladium - so zählt Platin zum Verlierer unter den Edelmetallen mit einem Wertverlust von 5% seit Jahresbeginn. Wir berichteten in der vergangenen Woche erneut, wie es derzeit um den Dieselfahrzeugmarkt steht, der für den Platinpreis langfristig eher negative Auswirkungen haben wird.

Am Freitag wurde berichtet, dass die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ihren Prozess für eine bessere Luftreinhaltung in Stuttgart gewonnen hat und somit ab Januar 2018 Fahrverbote für bestimmte Diesel-Autos in der Innenstadt gelten werden. Analysten gehen davon aus, dass der Anteil an Dieselfahrzeugen im Jahr 2025 in Europa um bis zu 35% zurückgehen könnte. Gleichzeitig sind sowohl die Platinschmuckindustrie, über die wir zuvor berichteten, als auch die Brennstoffzelle noch lange nicht bedeutend genug, um bereits heute Impulse für einen "bullish"-ausgerichteten Preisausblick im Platin zu geben.

In der vergangenen Woche orientierte sich Platin an Gold und gewann noch zum Anfang der Woche etwas an Wert. So eröffnete Platin die Berichtswoche bei 942 $/oz, um dann zum Ende der Woche etwas niedriger bei 939 $/oz zu schließen. Charttechnisch sehen wir eine Unterstützung derzeit bei 898 $/oz und Widerstand bei etwa 935 $/oz.


Wenig Veränderung im Palladium

Palladium zählt mit einem Preisanstieg um fast 30% seit Jahresbeginn zu den Top Performern unter den Edelmetallen. Nach dem starken Preisanstieg seit Ende Mai diesen Jahres handelt Palladium derzeit in einer Bandbreite zwischen 830 und 915 $/oz, nachdem sich das Metall Mitte Mai noch auf einem Niveau um die 748 $/oz befand.

Charttechnisch sehen wir derzeit Palladium eher in der Seitwärtsbewegung. Palladium eröffnete die Berichtswoche bei 849 $/oz, um im Verlauf der Woche etwas an Wert zu gewinnen und bei 883 $/oz zu schließen.

Momentan werden alle Edelmetalle auch durch einen schwachen US-Dollar unterstützt. Allerdings liefern gleichzeitig bessere US-Wirtschaftsdaten sowie der "hawkishe" Unterton der Federal Reserve Impulse für eine Erholung im US Dollar. Letztere könnten den Edelmetallen wieder etwas Wind aus den Segeln nehmen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Palladium auch dann seine eigensinnige Marschrichtung beibehält und preislich noch Luft nach oben besteht.


Rhodium gibt weiter nach; Ruthenium wartet auf Impulse; Leicht gestiegene Umsätze im Iridium

Im Rhodium hat der Markt die gesamte Berichtswoche weiterhin Verkaufsinteresse von Investoren gesehen. Bedingt durch die etwas ruhigere Urlaubszeit war die Nachfrage etwas geringer und dementsprechend hat der Preis noch einmal um ca. 30 $ nachgegeben. Allerdings gibt es auf aktuellem Niveau schon wieder erste Anfragen, die bei entsprechenden Abschlüssen den Markt sicher unterstützen könnten.

Wir sind verhalten optimistisch, dass der nun doch deutlich tiefere Preise entsprechende Nachfrage hervorrufen kann. Daher sehen wir aktuell nicht mehr sehr viel Luft beim Preis nach unten, wenn die beschriebenen Käufe einsetzen.

Ruthenium hat sich trotz der "Sommerpause" etwas aktiver gezeigt und die Nachfrage war höher als in den vergangenen beiden Wochen, was aber sicherlich noch keinen Einfluss auf das Gesamtbild haben wird.

Im Iridium war die Verfügbarkeit in der vergangenen Woche deutlich besser, was auch prompt zu einem deutlichen Umsatzanstieg geführt hat. Die verbesserte Liquiditätssituation hat auch preisseitig für leichte Entspannung gesorgt, was aber aktuell überhaupt kein Hinweis ist, dass wir mittelfristig deutlich tiefere Preise sehen werden, sondern eher dass sich potentielle Käufer auf attraktiverem Preisniveau wieder eindecken könnten.


© Youn-Chong Choi, Manager – Precious Metals Solutions
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH



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Alle im Bericht genannten Preise sind Geldkurse im Interbankenmarkt, die Charts basieren auf Thomson Reuters.


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