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Palmöl: Katerstimmung nach dem Ende von El Niño

19.07.2016 | 13:01 Uhr | Eugen Weinberg, Commerzbank AG

Monatelang hatte eine durch El Niño verringerte Produktion für Preisauftrieb am Palmölmarkt gesorgt Nun ist es die wieder steigende Produktion, die auf die Notierungen drückt. Zwischenzeitlich waren die Produktionserwartungen nach unten korrigiert worden. Nun überraschen die Mengen positiv, und das auch über das saisonal bedingte Muster hinaus. Gleichzeitig erweist sich die Nachfrage wichtiger Abnehmer wie Indien und China als wenig dynamisch. Auch von den Märkten für Sojaöl und Rohöl kommen derzeit keine positiven Impulse.

Der starke Preisanstieg bei Palmöl vom Spätsommer 2015 bis in das Frühjahr 2016 brach im April ab. Anfang April kostete Palmöl in Malaysia über 2750 MYR/Tonne. Diese Höhe war zuletzt kurzfristig Anfang 2014 verzeichnet worden. Ab Anfang Juni ging es dann sogar kräftig berab: Palmöl in Malaysia hat inzwischen 20% an Wert verloren und konnte sich erst in den letzten Tagen etwas erholen. Derzeit kostet Palmöl rund 2300 MYR/Tonne.

Auch in US-Dollar ausgedrückt ist der Preis über alle Währungsschwankungen hinweg ebenso stark gefallen. Der starke Preisrückgang bei Palmöl hat den Aufschlag (Prämie) von Sojaöl über Palmöl gegenüber dem Durchschnitt des letzten Jahres deutlich erhöht, während der Preisvorsprung von Palmöl gegenüber Diesel geschrumpft ist.

Der Preisrückgang ab Anfang Juni war einer Mischung aus rückläufigen Sojanotierungen, einem höher als erwarteten Angebot an Palmöl und einer niedrigeren Nachfrage geschuldet. Während in der Folge von El Niño eine verringerte Produktion von Palmöl für Preisauftrieb gesorgt hatte, war es nun die wieder steigende Produktion, die auf die Notierungen drückte. Vor allem saisonal bedingt ist die Produktion nach dem Produktionstief früh im Jahr zuletzt wieder gestiegen. Im Juni legte die Produktion in Malaysia um 12% zu und damit deutlich mehr als erwartet.

Auch für Indonesien wird laut einer Bloomberg-Umfrage mit einem Produktionsplus von gut 12% über den Mai gerechnet. Bis April war die Produktion 8 Monate lang rückläufig gewesen. Indonesien und Malaysia stehen zusammen für etwa 85% der weltweiten Palmölproduktion.

Gleichzeitig waren die Exporte beider Länder niedriger: Malaysia führte im Juni 12% weniger Palmöl aus als im Vormonat und so wenig wie in keinem Juni seit 2008. Dass sich die vorgesehene Erhöhung der Beimischungsverpflichtung von Biodiesel von 7% auf 10% verzögert, hat die Stimmung zusätzlich belastet. Ebenso wie die im Juni wieder einsetzende Verteuerung der malaysischen Währung Ringgit gegenüber dem USD. Auch für Indonesien waren die letzten Exportdaten enttäuschend: Im Mai lagen die Exporte 16% unter dem April.



Auch die Ausfuhren Indonesiens nach Indien, dem größten Nachfrager (Grafik 2), fielen im Mai gegenüber dem Vormonat und waren gut ein Viertel geringer als im Vorjahr. In Indien waren zuvor die Lagerbestände rekordhoch aufgestockt worden und auch jetzt sind sie nicht weit davon entfernt. Grund für die Aufstockung war die Furcht vor einer El-Niño bedingt schlechten eigenen Ölsaatenernte.

Indien verbraucht im Jahr ca. 22 Mio. Tonnen Pflanzenöl, fast die Hälfte davon Palmöl. 70% des gesamten Pflanzenöls müssen importiert werden, Palmöl sogar vollständig. Auch China hatte im Mai 20% weniger Palmöl aus Indonesien importiert als im April und 60% weniger als im Mai 2015. Im laufenden Jahr waren bisher alle Vormonatsveränderungen negativ.

Für eine dauerhafte Aufwärtsbewegung fehlen derzeit am Palmölmarkt die eigenen fundamentalen Nachrichten, die dem Effekt einer steigenden Produktion 2016/17 - wie zum Beispiel vom US-Landwirtschaftsministerium USDA prognostiziert (Grafik 3) - entgegenwirken könnten.

Auch der Rohölpreis ist derzeit keine Hilfe: Der rasante Anstieg der Ölpreise in der ersten Jahreshälfte hatte den Preisanstieg bei Palmöl in dieser Zeit unterstützt. Da Palmöl neben der Verwendung als Nahrungsmittel auch zur Biokraftstoffproduktion eingesetzt wird, hatte der Rohölpreisanstieg über eine Verteuerung der konventionellen Kraftstoffe wie Diesel einen positiven Einfluss auf den Palmölpreis. Seit Juni kommt von hier aber kein positiver Einfluss mehr. Vielmehr hat sich Rohöl seither etwas verbilligt.

Auch vom konkurrierenden Sojaölmarkt kommen derzeit keine unterstützenden Impulse. Sojaöl hat sich bereits verbilligt als der Preisanstieg bei Sojabohnen noch intakt war. Während die Nachfrage nach Sojamehl zur Verfütterung zu einer hohen Verarbeitung von Sojabohnen führte, hatte die gleichzeitig anfallende hohe Menge an Sojaöl Schwierigkeiten, Abnehmer zu finden. Nun haben im Juli auch die Notierungen für das Ausgangsprodukt deutlich nachgegeben, was weiteren Abwärtsdruck erzeugt. Sollte allerdings etwa in den USA ein heißer und trockener Sommer die Sojabohnenernte beeinträchtigen, dann könnte ein Preisauftrieb bei Sojabohnen auch den Palmölpreis unterstützen.

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© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: 'Rohstoffe kompakt', Commerzbank AG



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