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Ölpreis - War dies die Wende?

23.03.2016 | 6:00 Uhr | Eugen Weinberg, Commerzbank AG

Der Ölpreis ist seit dem Tief im Januar um 50% gestiegen. Saudi-Arabien und Russland haben sich auf eine Deckelung der Ölproduktion verständigt und damit ein wichtiges Signal gesetzt. Zudem ist die Ölproduktion in den USA inzwischen rückläufig. Das Überangebot auf dem Ölmarkt dürfte daher in der zweiten Jahreshälfte weitgehend verschwinden. Ein graduell steigendes Angebot aus dem Iran sollte vom Markt verkraftet werden. Wir rechnen weiterhin mit einem Brentölpreis von 50 USD je Barrel am Jahresende.

Der Brentölpreis ist vom Ende Januar verzeichneten 12-Jahrestief um 50% gestiegen. Mitte März erreichte er bei gut 42 USD je Barrel ein 3½-Monatshoch. Ist damit die Trendwende eingeleitet? Oder droht eine Wiederholung des Vorjahres, als der Ölpreis zwischen Februar und April ebenfalls deutlich stieg und im zweiten Halbjahr wieder unter Druck geriet (Grafik 1)?

Ausgelöst wurde der aktuelle Preisanstieg durch die Einigung von Saudi-Arabien und Russland Mitte Februar auf ein Einfrieren der Ölproduktion auf dem Januar-Niveau. Zwar hätten Saudi-Arabien und Russland ihre Ölproduktion in diesem Jahr ohnehin nicht nennenswert erhöht. Dennoch war dies ein wichtiges Signal, dass die beiden weltgrößten Produzentenländer gemeinsam gegen das Überangebot vorgehen wollen. Ein Beschluss dazu soll bei einem weiteren Treffen von 15 OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern am 17. April gefasst werden (siehe Kasten nach Grafik 1).

Darüber hinaus verdichten sich die Anzeichen, dass die Ölproduktion in den USA auf den Einbruch der Bohraktivität zu reagieren beginnt (Grafik 2). Zwischen Mitte Januar und Anfang März ist die US-Rohölproduktion kontinuierlich gesunken. Sie liegt mittlerweile 350 Tsd. Barrel pro Tag unter dem Vorjahresniveau auf einem 15-Monatstief. Dadurch traten auch das aktuelle Überangebot und der fortgesetzte Anstieg der US-Rohöllagerbestände in den Hintergrund.

Die US-Energiebehörde EIA erwartet einen Rückgang der US-Rohölproduktion um 760 Tsd. Barrel pro Tag in diesem Jahr und um weitere 480 Tsd. Barrel pro Tag im nächsten Jahr. Das Nicht-OPEC-Angebot dürfte aus diesem Grund ähnlich stark fallen. Dies ist ein wichtiger Grund, weshalb die Internationale Energieagentur IEA für das zweite Halbjahr einen ausgeglichenen Ölmarkt prognostiziert.

Allerdings erwartete sie gleiches bereits im vergangenen Jahr. Damals blieb der Ölmarkt das ganze Jahr überversorgt und die globalen Lagerbestände stiegen immer weiter. Diesmal dürfte die Prognose der IEA auch eintreten. Denn im Unterschied zum Vorjahr fällt die US-Ölproduktion inzwischen merklich. Der Produktionsrückgang dürfte sich in den nächsten Monaten beschleunigen.





Bis September erwartet die EIA einen Rückgang vom gegenwärtigen Niveau um ca. 800 Tsd. Barrel pro Tag. Zudem dürfte die OPEC - auch wegen der voraussichtlich beschlossenen Produktionsobergrenzen - ihre Förderung nicht mehr so stark ausweiten wie noch im letzten Jahr. 2015 stieg die OPEC-Produktion um gut 1 Mio. Barrel pro Tag, wofür sich insbesondere der Irak (+600 Tsd.) und Saudi-Arabien (+500 Tsd.) verantwortlich zeichneten. Eine Beteiligung des Iraks an dem Abkommen wäre daher ein wichtiger Meilenstein, auch wenn der Irak in diesem Jahr seine Ölproduktion kaum nochmals so stark würde steigern können wie 2015.

Zwar will der Iran seine Ölproduktion zunächst auf 4 Mio. Barrel pro Tag anheben, bevor er sich an einem Abkommen über Produktionsobergrenzen beteiligt. Aktuell beträgt die iranische Ölproduktion gut 3 Mio. Barrel pro Tag (Grafik 3). Die Exporte liegen mit 1,5 Mio. Barrel pro Tag noch immer etwa 1 Mio. Barrel pro Tag unter dem Vorsanktionsniveau. Seit der Aufhebung der Sanktionen konnte der Iran seine Ölproduktion um etwa 300 Tsd. Barrel pro Tag steigern.

Das avisierte Produktionsniveau von 4 Mio. Barrel pro Tag wird der Iran aber nicht von heute auf morgen erreichen. Dafür sind Investitionen in die Ölinfrastruktur erforderlich. Zudem müsste der Iran in einem überversorgten Markt erst hinreichend Käufer für sein Öl finden, was weitreichende Zugeständnisse bei den Verkaufskonditionen erforderlich machen würde. Ob der Iran dazu bereit sein wird, bleibt abzuwarten.

Europäische Kunden berichten von wenig attraktiven Konditionen, weshalb sie sich mit Käufen bislang zurückgehalten haben. Für dieses Jahr rechnen wir mit einem graduellen Anstieg der iranischen Ölproduktion um 500 Tsd. Barrel pro Tag. Dies sollte der Markt angesichts einer weiter steigenden globalen Ölnachfrage verkraften können.

Kurzfristig könnte der Ölpreis allerdings nochmals unter Druck geraten, da der Preisanstieg zuletzt auch spekulativ getrieben war. So erreichten die spekulativen Netto-Long-Positionen bei Brent Mitte März ein Rekordniveau. Wir sehen wegen der Aussicht auf abgestimmte Produktionsobergrenzen aber nur ein begrenztes Korrekturpotenzial und rechnen weiterhin mit einem Brentölpreis von 50 USD je Barrel am Jahresende.

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© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: 'Rohstoffe kompakt', Commerzbank AG



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