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Schwache globale Goldnachfrage im dritten Quartal

09.11.2017 | 11:01 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Energie

Gestern Abend kam es zu einem kurzzeitigen Preissprung, der WTI auf 58 USD je Barrel steigen ließ, was dem höchsten Niveau seit Juni 2015 entsprach. Brent touchierte im Zuge dessen wieder das 28-Monatshoch vom Dienstag bei 64,65 USD je Barrel. Die zuvor vom US-Energieministerium veröffentlichten Lagerdaten können den kurzzeitigen Preisanstieg kaum verursacht haben. Diese zeigten einen überraschenden Anstieg der US-Rohöllagerbestände um 2,2 Mio. Barrel und einen weiteren Anstieg der wöchentlichen US-Rohölproduktion auf ein Rekordniveau von 9,62 Mio. Barrel pro Tag.

Dies ist ein weiteres Indiz, dass die deutlich gestiegenen Preise die Schieferölförderung in den USA lukrativ machen. Der unerwartete Aufbau der Rohölvorräte war in erster Linie auf einen kräftigen Rückgang der Rohölexporte um mehr als 1 Mio. Barrel pro Tag zurückzuführen. Die Vorräte an Benzin und Destillaten fielen trotz einer höheren Rohölverarbeitung jeweils um mehr als 3 Mio. Barrel, wofür eine robuste Nachfrage verantwortlich zeichnete.

Rechtzeitig zur gerade laufenden Weltklimakonferenz wurde heute Nacht eine Einigung in den Trilogverhandlungen zur Reform des Emissionshandels in der vierten Handelsperiode erzielt. Die wichtigsten Neuerungen - eine Verdoppelung der Überführungsrate in die Marktstabilitätsreserve mit der entsprechenden Verkürzung der Auktionsvolumina von 2019 bis 2023 und die Löschung überschüssiger Zertifikate (nun vorgezogen ab dem Jahr 2023) - galten im Vorhinein allerdings als sicher. Der CO2-Preis sprang dennoch auf knapp 8 Euro je Tonne. Auch wenn wir von langfristig höheren Preisen überzeugt sind, droht ein nicht unüblicher Rücksetzer nach Bestätigung durch alle Gremien.


Edelmetalle

Die Edelmetalle erhielten gestern durch einen wieder schwächeren US-Dollar Unterstützung. Gold stieg auf ein 3-Wochenhoch und hat Silber, Platin und Palladium mit nach oben gezogen. Palladium verteuerte sich sogar um fast 2% und steigt heute Morgen weiter auf 1.020 USD je Feinunze. Dies ist der höchste Stand seit Februar 2001. Die Preisdifferenz zu Platin hat sich zeitweise auf über 90 USD je Feinunze ausgeweitet.

Der World Gold Council (WGC) hat heute Morgen seinen Bericht zu den Goldnachfragetrends im dritten Quartal veröffentlicht. Demnach zeigte sich die globale Goldnachfrage zwischen Juli und September schwach. Sie fiel im Vergleich zum Vorjahr um 9% auf 915 Tonnen, den niedrigsten Wert für ein Quartal seit mindestens 2010. Geschuldet ist dies vor allem einer schwachen ETF-Nachfrage, die fast völlig weggebrochen ist.

Auch die Schmucknachfrage war rückläufig (-3%), was auf Indien zurückzuführen ist. Dort wurde zum 1. Juli eine Mehrwertsteuer auf Goldkäufe eingeführt, zudem hatte die Regierung weitere Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung implementiert. Die Nachfrage nach Barren und Münzen zog dagegen von einem schwachen Vorjahresniveau um 17% an. Insbesondere chinesische Investoren hatten im letzten Quartal Preisrückgänge zu Käufen genutzt. Auch die Zentralbanken haben mehr Gold gekauft.

Für das Gesamtjahr erwartet der WGC nun eine globale Goldnachfrage von 3.900-4.000 Tonnen. Dies sind zwar bis zu 300 Tonnen weniger als bislang unterstellt, impliziert aber ein wieder stärkeres Schlussquartal.



Industriemetalle

Nachdem die Industriemetallpreise gestern phasenweise durch den schwächeren US-Dollar unterstützt wurden, geben sie heute Morgen in der Breite nach. Nickel fällt dabei sogar um fast 3% auf 12.300 USD je Tonne. Aluminium gibt um etwa 1% auf unter 2.100 USD je Tonne nach, wobei der Rückgang an der SHFE in Shanghai mit über 3% wesentlich stärker ausfällt. Chinesische Händler sprechen von einer derzeit verhaltenen Aluminiumnachfrage in China, zudem steigen schon seit Monaten die Lagerbestände von Aluminium im Reich der Mitte.

In den Lagerhäusern der SHFE lagen sie per Ende letzter Woche bei rund 650 Tsd. Tonnen auf einem Rekordniveau. Der Anstieg der Vorräte ist auch auf die geringeren Exporte von Aluminium und Aluminiumprodukten zurückzuführen. Diese fielen gemäß der Zollbehörde im Oktober auf 350 Tsd. Tonnen, die geringste Menge seit acht Monaten. Dies federt zugleich den Effekt der behördlich angeordneten Produktionskürzungen während der Wintermonate ab. Unseres Erachtens ist der Aluminiummarkt nach wie vor gut versorgt und wir erwarten einen weiteren Preisrückgang.

Neben Aluminium hat China im Oktober auch deutlich weniger Stahlprodukte exportiert. Daten der Zollbehörde zufolge gingen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um 35% auf 4,98 Mio. Tonnen zurück. Dies war die geringste Menge seit Februar 2014. Die chinesischen Stahlproduzenten haben mehr Stahlprodukte im Land behalten, um in den Wintermonaten bei gedrosselter Produktion auf die heimische Nachfrage reagieren zu können.


Agrarrohstoffe

Der Kakaopreis in New York stieg gestern auf ein 9½-Monatshoch von knapp 2.200 USD je Tonne. Seit Wochenbeginn hat sich Kakao damit um fast 7% verteuert. Hintergrund sind Nachrichten aus dem mit Abstand weltgrößten Produzentenland Elfenbeinküste. Dort läuft die Ernte sehr schleppend. Exporteure berichten von deutlich geringeren Anlieferungen in die Häfen. Dies wäre schon seit Beginn der Haupternte im Oktober der Fall, wobei sich die Diskrepanz zum Vorjahr zuletzt noch ausgeweitet habe.

Für das gesamte Quartal bis Ende Dezember rechnen die Exporteure mit einer Erntemenge von 830 Tsd. Tonnen, was 108 Tsd. Tonnen weniger wäre als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Schuld an dieser Entwicklung sind übermäßige Regenfälle, die zur Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten wie Black Pod und Brown Rot geführt haben. Eine Besserung im nächsten Quartal ist nicht in Sicht. Wie wir vor einer Woche berichtet hatten, könnte die Ernte im März-Quartal wegen der besagten Pflanzenerkrankungen sogar nur halb so hoch ausfallen wie im Vorjahr (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 2. November).

Am Markt kursieren daher Schätzungen, die für das laufende Erntejahr 2017/18 von einem globalen Angebotsdefizit ausgehen. Das letzte Erntejahr hatte laut aktueller Schätzung der Internationalen Kakaoorganisation noch mit einem rekordhohen Angebotsüberschuss von 371 Tsd. Tonnen abgeschlossen.


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