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OPEC vor Verlängerung der Produktionskürzungen

18.05.2017 | 6:00 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Der schwindende Glaube der Marktteilnehmer an die Wirksamkeit der OPEC-Kürzungen hatte den Ölpreis kurzzeitig unter Druck gesetzt und zwischenzeitlich alle Gewinne seit der letzten OPEC-Sitzung wegschmelzen lassen. Unseres Erachtens ist der Markt damit zu pessimistisch. Die Lagerbestände in den USA fallen inzwischen und die Bestände außerhalb der OECD sind seit Jahresbeginn merklich gesunken.

Zudem dürfte die OPEC die Produktionskürzungen über Jahresmitte hinaus verlängern, was für ein beträchtliches Angebotsdefizit in den kommenden Quartalen sorgen würde. Da die OPEC-Mitglieder immer mehr Marktanteile an die US-Schieferölproduzenten verlieren, dürfte die Disziplin allmählich bröckeln und die OPEC-Produktion im Jahresverlauf wieder steigen. Wir rechnen daher weiterhin mit einem Brentölpreis von weniger als 50 USD je Barrel am Jahresende.

Der Brentölpreis verlor ab Mitte April innerhalb von drei Wochen mehr als 15% und verzeichnete Anfang Mai mit weniger als 47 USD je Barrel das niedrigste Niveau seit Ende November. Der WTI-Ölpreis verlor im selben Zeitraum sogar noch etwas mehr und markierte mit weniger als 44 USD je Barrel ein 5½-Monatstief (Grafik 1). Der Preisrückgang dürfte eher auf weiche Faktoren zurückzuführen sein. So standen die Rohstoffpreise Anfang Mai nach der Veröffentlichung enttäuschender Einkaufsmanagerindizes und Rohstoffimportdaten aus China allgemein unter Abgabedruck.

Hinzu kam das Unterschreiten wichtiger charttechnischer Niveaus wie die Marke von 50 USD je Barrel und das Tief vom März, was Anschlussverkäufe ausgelöst haben dürfte. In den letzten Tagen haben die Ölpreise etwa die Hälfte der Verluste wieder wettgemacht.

Fundamental erklären ließ sich der Preisrückgang ohnehin nicht. Die OPEC hat auch im April die Produktionskürzungen vollständig umgesetzt. Laut OPEC-Monatsbericht lag die Umsetzung insgesamt bei 111% (siehe Tabelle). Russland meldete zudem für Ende April einen Rückgang seiner Ölproduktion um 300 Tsd. Barrel pro Tag gegenüber dem Referenzniveau vom Oktober 2016, womit es die Vorgabe aus dem Kürzungsabkommen erfüllt.

Zudem zeichnet sich für die bevorstehende OPEC-Sitzung am 25. Mai eine Verlängerung der Produktionskürzungen ab. Der saudi-arabische Energieminister sprach davon, alles Erforderliche zu tun, damit der Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht kommt. Saudi-Arabien und Russland sollen sich bilateral bereits auf eine Verlängerung der Produktionskürzungen um neun Monate bis März 2018 verständigt haben. Und in den USA sind die Rohöllagerbestände zuletzt fünf Wochen in Folge gesunken. Die tatsächliche Lage war somit Anfang Mai besser als die Stimmung.





Diese negative Wahrnehmung war auf eine wachsende Skepsis der Marktteilnehmer hinsichtlich der Wirksamkeit der Produktionskürzungen zurückführen. Denn anders als erwartet kam es trotz vollständiger Umsetzung der Kürzungsvereinbarung zunächst nicht zu einer sichtbaren Markteinengung, sprich einem Rückgang der Ölvorräte. Dem stand vor allem eine im ersten Quartal niedrigere Nachfrage entgegen. Die Produktionskürzungen haben somit lediglich ein anhaltend hohes Überangebot verhindert.

Die IEA sprach in ihrem April-Monatsbericht von einem Anstieg der kommerziellen Öllagerbestände in den OECD-Ländern im ersten Quartal um 38,5 Mio. Barrel (425 Tsd. Barrel pro Tag). Ende Februar betrug der Lagerüberhang demnach 336 Mio. Barrel (Grafik 2). Vom Ziel der Rückkehr der Lagerbestände zurück auf den 5-Jahresdurchschnitt war die OPEC damit noch immer weit entfernt. Die IEA wies gleichzeitig aber auf fallende Lagerbestände anderswo hin. So sollen die weltweit in Öltankern gehaltenen Ölvorräte laut dem Schiffsbroker EA Gibson im ersten Quartal 2017 um 24,2 Mio. Barrel bzw. 270 Tsd. Barrel pro Tag gefallen sein. Dies wurde allerdings ignoriert.

Die rasante Erholung der US-Ölproduktion hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die US-Rohöllagerbestände im April noch immer in der Nähe eines Rekordniveaus verharrten.

Zwischen Mitte Februar und Anfang Mai ist die US-Rohölproduktion an zwölf Wochen in Folge gestiegen und erreichte mit gut 9,3 Mio. Barrel pro Tag das höchste Niveau seit August 2015 (Grafik 3). Das sind 544 Tsd. Barrel pro Tag mehr als zu Jahresbeginn. Die US-Rohölproduktion wird im zweiten Halbjahr wegen der Renaissance von Schieferöl wohl weiter steigen. Die USEnergiebehörde rechnet mit einem Anstieg auf 9,74 Mio. Barrel pro Tag am Jahresende. Das wären fast 1 Mio. Barrel pro Tag mehr als das Produktionsniveau vor Jahresfrist und das höchste Niveau seit mehr als 40 Jahren.

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