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Edelmetalle: Ausblick 2017 - Bald wieder bessere Zeiten

05.12.2016 | 6:00 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Der Goldpreis ist nach starken Gewinnen im ersten Halbjahr im vierten Quartal unter Druck geraten. Für 2017 erwarten wir eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends. Der Gegenwind durch die Aufwertung des US-Dollar und den Anstieg der Anleiherenditen sollte abflauen und die Investmentnachfrage auch aufgrund zahlreicher Risikofaktoren wieder steigen. Die in diesem Jahr nur verhaltene Goldnachfrage in Asien dürfte sich zudem spürbar beleben. Davon sollte auch der Silberpreis trotz sich verschlechternder Fundamentaldaten profitieren. Platin besitzt nach der in diesem Jahr schwachen Preisentwicklung Erholungspotenzial. Bei Palladium erachten wir nach dem zuletzt starken Anstieg das Preispotenzial dagegen als ausgereizt.


Gold

Der Goldpreis erlebte ein dreigeteiltes Jahr 2016. Im ersten Halbjahr verzeichnete er einen Anstieg um 25%. Das Plus im ersten Quartal von knapp 20% markierte sogar den besten Jahresstart seit 30 Jahren. Anfang Juli erreichte Gold bei 1.375 USD je Feinunze sein Jahreshoch und gleichzeitig das höchste Niveau seit März 2014. Einer drei Monate währenden Seitwärtsbewegung während der Sommermonate folgte im vierten Quartal ein scharfer Rückgang, welcher den Goldpreis bis Anfang Dezember um 12% auf ein 10- Monatstief von gut 1.160 USD je Feinunze fallen ließ.

Die Preisbewegungen bei Gold in diesem Jahr lassen sich sehr gut mit der Investmentnachfrage erklären. Diese war im ersten Halbjahr sehr robust und übertraf dabei sogar die Schmucknachfrage, welche normalerweise etwa die Hälfte der gesamten Goldnachfrage stellt. Wesentlicher Treiber der Investmentnachfrage waren die Gold-ETFs, welche laut World Gold Council (WGC) in den ersten sechs Monaten des Jahres Zuflüsse von 580 Tonnen verzeichneten. Dies entsprach den stärksten Netto-Käufen in einem Halbjahr seit Einführung der Gold-ETFs vor mehr als 10 Jahren.

Allein im Februar flossen den von Bloomberg erfassten Gold-ETFs fast 200 Tonnen Gold zu, im Juni mehr als 100 Tonnen. Ab Mitte Juli brach das Interesse an den Gold-ETFs jedoch schlagartig ab. Im August, September und Oktober gab es zusammengenommen nicht mal halb so viele Zuflüsse wie in den ersten sieben Monaten im Monatsdurchschnitt. Im November gab es mit 108 Tonnen sogar den stärksten Monatsabfluss seit Juni 2013.

Gebremst wurde die Goldnachfrage fast das ganze Jahr über durch die verhaltene Nachfrage der privaten Konsumenten nach Schmuck, Münzen und Barren. Gemäß Daten des WGC ging die Konsumentennachfrage in den ersten neun Monaten des Jahres um 16% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zurück. Maßgeblich belastet wurde die private Konsumentennachfrage von einem deutlichen Rückgang in Indien und China. Die weltweite Goldnachfrage dürfte laut WGC in diesem Jahr zwischen 4.200 und 4.300 Tonnen liegen und damit das Vorjahresniveau von gut 4.200 Tonnen zumindest erreichen.



Die gesamte Goldnachfrage für China und Indien wird 2016 wohl hinter dem Ergebnis von 982 beziehungsweise 858 Tonnen im Vorjahr zurückbleiben. Die Konsumenten in Indien fragten in den ersten neun Monaten 29% weniger Gold in Form von Schmuck, Münzen und Barren nach als noch im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit markiert die Nachfrage der privaten Verbraucher ein 7-Jahrestief. Die Schmucknachfrage fiel dabei um 30%, die Nachfrage nach Münzen und Barren ging um 25% zurück.

Wichtigste Treiber neben den hohen lokalen Preisen war eine Kombination aus neuen Bestimmungen der Regierung für höhere Transparenz und gegen Korruption beim Golderwerb sowie einer anhaltend schwachen Nachfrage der ländlichen Bevölkerung, die für das Gros der Goldnachfrage in Indien verantwortlich ist. Die Nachfrage aus dieser wichtigen Bevölkerungsgruppe litt unter unzureichenden Monsunregenfällen in den letzten zwei Jahren, die den Ernteertrag und somit die Einkommensentwicklung schmälerten. Ebenfalls negativ wirkte sich die Anfang April eingeführte Verkaufssteuer auf Goldschmuckwaren aus, die im Frühjahr zu Streiks der Schmuckhändler in Indien führte.

Die Erholung der indischen Goldnachfrage im vierten Quartal droht durch die Bargeldreform der indischen Regierung im Keim erstickt zu werden. Anfang November wurden die alten 500- und 1.000-Rupien-Banknoten von Ministerpräsident Modi für ungültig erklärt. Betroffen sind 86% des Bargeldes, was bereits zu Bargeldengpässen geführt hat. Insbesondere der für die Goldnachfrage wichtigen Landbevölkerung dürfte es schwer fallen, die finanziellen Mittel für die geplanten Goldkäufe aufzubringen, da diese häufig über kein eigenes Konto verfügt und die Käufe in der Regel in bar tätigt. Nach starken Goldimporten im Oktober und November droht daher in den darauffolgenden Monaten ein Einbruch (Grafik 2).

Die chinesischen Haushalte fragten in den ersten drei Quartalen dieses Jahr 14% weniger Gold nach als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Die Nachfrageschwäche im aktuellen Jahresverlauf entfällt dabei mit einem Minus von 18% ausschließlich auf das Schmucksegment, während die Nachfrage nach Münzen und Barren im genannten Zeitraum stabil blieb. Ein wichtiger Treiber für diese Entwicklung ist laut einer Studie des WGC ein Wandel des chinesischen Verbrauchergeschmacks von 24-karätigem Gold mit einem Feingehalt von 99,9% hin zu 18-karätigem Gold mit einem Feingehalt von 75%.

Nachgefragt wird 18-Karat-Gold vermehrt von den jüngeren Generationen, die es vorrangig in Form von Hochzeitsringen nutzen. Dieser Wandel wird laut WGC durch entsprechende Anreize seitens der Schmuckverkäufer unterstützt, für die sich beim Verkauf von Schmuck mit geringerem Goldanteil höhere Gewinnspannen erzielen lassen. Der geringere Goldanteil im Goldschmuck senkt entsprechend die verkaufte Goldmenge. Dies könnte die Goldschmucknachfrage in China auch im nächsten Jahr bremsen.

Die Goldimporte via Hongkong wiesen in den letzten Monaten eine im Vorjahresvergleich nachlassende Dynamik auf (Grafik 3). Aufgrund der wachsenden Einkommen der Mittelschicht, der Angst vor einer weiteren Abwertung der lokalen Währung und des Mangels an Anlagealternativen gehen wir dennoch davon aus, dass die Nachfrage nach Münzen und Barren in China im nächsten Jahr wieder steigen wird. So erschweren die Behörden in China mittlerweile den Kauf von Immobilien, nachdem die Immobilienpreise insbesondere in einigen Ballungszentren zu stark gestiegen waren.



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